Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1876-01-01 · 7-8 (1876) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
32 (1876)
Issue
7-8 (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554828-2554833--06603-2562594
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

11t Missionar muß manche kostbare Stunde opfern, um ihm zu zeigen, daß er auch Talmud versteht, obgleich er guten Grund hat, ihn zu verwerfen, ehe sich der Talmudist überhaupt herabläßt, mit ihm über Religion zu sprechen. Endlich die sogenannten Reformjndcn. Diese sprechen recht viel von ihrer ungemeinen Liberalität und Freiheit; sie bekümmern sich, wie sic zu sagen pflegen, überhaupt nicht darum, was für eine Religion ein Mensch hat, obgleich, wenn man die Wahrheit gesteht, cs ihnen das Liebste wäre, er hätte gar keine Religion; angelegentlich aber vermeiden sie es, mit Anderen über Religion zu sprechen; und wenn der Missionar ihnen hierin nicht den Willen thut, leiten sic bald das Gespräch auf die Politik, so das; cö oft schwierig ist, sie auch nur 5 Minuten hintereinander bei religiösen Gegenständen festzuhalten. Das sind also etliche der Schwierigkeiten, unter denen der Missionar sein Werk in Galizien zu treiben hat. Ueberdcm mangelt cs an Missionaren. Aber auch die staatliche Gesetzgebung behindert die Missionsarbeit, wenngleich sie dieselbe nicht verfolgt, in hohem Maße. In einigen unserer Missionsstationen hat das Verschenken heiliger Schriften ganz aufgehört, und alle Exemplare werden verkauft. In Oesterreich dagegen dürfen die Missionare sie nicht verkaufen; sondern man muß ein eigens hierzu autorisirter Agent und Unterthan des Staates sein, dazu aber auch die Bewilligung der Regierung haben, ehe man die Erlaubniß erhält, die h. Schrift zu verkaufen. Kein Traktat soll verschenkt werden, da dies gegen das Gesetz streitet. Wie sind da, zumal nur 3 Missionare unter 600,000 Juden arbeiten, große Erfolge möglich. Von solchen wollen wir denn auch nicht sprechen, wohl aber, daß es uns an Ermuthigungen in unserer Arbeit nicht gefehlt hat. Einige Monate vor meinem Abgänge von Wien durfte ich mit einem Missionsbruder eine Reise in Galizien machen. Wir nahmen in einer kleinen Stadt Aufenthalt; weil es aber Markt- und Gerichts-Tag war, konnten wir nur wenige Leute sehn, und diese in voller Eile. Am Nachmittag kam ein Jude in unser Logis. Ich gab ihm einige Traktate und sagte ihm, über welche Gegenstände sie handelten. Der eine z. B. besprach das große Thema der Gottheit unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi. Der Mann antwortete: Ich bin Ihnen sehr verbunden, aber ich kenne

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.