Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 7-8 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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110 sind aber in der Thal für den Missionar erst noch ein zukünftiges und nicht bereits schon ein gegenwärtiges Arbeitsfeld. Dieselben meinen, daß cs nicht viel auf sich habe, ob ein Mensch das Gesetz studirt und versteht oder nicht. Denn nach ihrer Ucbcrzeugung haben das Gesetz und alle Gebräuche noch einen anderen, mystischen Sinn. Diesen Grundsatz wenden sie ganz verkehrt an; wenn sie ihn einst aber unter der Leitung des heil. Geistes recht anwenden lernen, dann kann sie eben dies zu Christo führen. Eine andere ihrer Lehren ist, daß jeder Mensch einen Mittler haben müsse. Sie können, wie sic sagen, nicht zu Gott kommen, wann und wie cs ihnen beliebt, als ob Gott ein nachsichtiger Vater wäre, der an seinen Kindern seine Freude hat, wenn sic sich nur die Mühe nehmen, zu ihm zu kommen; sondern sie halten Gott für einen gerechten Gott, der die Sünde nicht ohne Abscheu anblickt, und deßwegen begehren sic einen Mittler, einen heiligen und gerechten Mann, haben aber auch, wie sie glauben, das Glück, gar manche solcher gerechten und heiligen Leute in ihrer Mitte zu besitzen, zu denen sie eben nur zu gehn und sie durch Geschenke sich gütig zu stimmen brauchen. Wird diese Lügenzuflucht ihnen zu Schanden werden, dann werden sie zu dem wahrhaft gerechten und heiligen Manne kommen, zu dem menschgewordenen Jesus Christus. Das also sind die Klassen von Juden, mit denen wir zu thun haben, aber nur äußerst schwer finden wir zu irgend einer derselben unfern Zugang. Die Letztgenannten werden, wenn sie der Missionar nicht etwa im Eisenbahnwagen trifft, und wenn er, falls er jüdischer Abstammung ist, es nicht verbergen kann, daß er, obwohl nunmehr Christ, doch eben von Geburt ein Jude ist, kaum über religiöse Gegenstände mit uns sprechen. Kann dagegen der Missionar seine etwaige jüdische Abstammung verborgen halten, dann werden dieselben sich leichter in ein Gespräch mit ihm einlassen, und manche gesegnete Frucht ist bereits aus solchem Verkehr erwachsen. Kann der Missionar dies jedoch nicht oder bekennt er, im betreffenden Falle, seinen jüdischen Ursprung, so schließt er sich selbst von jedem Verkehre mit ihnen aus. Der Talmudist, der selbstgerechte Pharisäer, der sich über jede andere Mcnschenklasse erhaben dünkt, bietet eine andere Schwierigkeit. Er ist von der Uebcrlegenheit des Talmud und von seiner eigenen Uebcrlegenheit als Talmudgclehrter überzeugt; und der