Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 7-8 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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109 der Sensus richtig ist, unter denselben 600,000 Juden; doch, glaube ich, unterschätzt dieser die Zahl der dortigen Juden — sicher aber giebt es, das russische Königreich Polen ausgenommen, kaum einen Theil der Welt, wo Juden so dicht gedrängt, wie in Galizien, wohnen. In einigen Gegenden bilden sie die Mehrzahl der Bevölkerung, und in vielen Städten giebt es kaum andere Nichtjuden als den Bürgermeister, den Polizisten und den Mann, welcher die Sabbathlichter anzündet. Dies ist der Zustand vieler kleiner Städte Galiziens. Unter der großen Masse der galizischen Juden findet man nun aber die verschiedensten Richtungen vertreten. In den großen und selbst auch in einigen kleinen Städten finden sich solche, die sich auch nicht im Mindesten um Religiöses kümmern, sondern die Religion für eine Art Enthusiasmus halten, der sich bis zur Verrücktheit steigert, nur daß der letztere in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ungefährlich sei, während früher die Religion vielen Schaden gestiftet habe. Für den Missionar aber ist es oft eine schwere Aufgabe, Leute der Art zu überzeugen, daß nicht die Religion, sondern nur die Auswüchse derselben die Nebel verursacht hätten, daß wahre Religion nichts von Feindschaft oder Haß gegen irgend einen Menschen und eine menschliche Rage kennt, und daß die Sünde das Einzige ist, was die Religion haßt. Dann aber giebt es unter den dortigen Juden eine große Zahl von Talmudisten, welche den alten Pharisäern entsprechen „und ihre eigene Gerechtigkeit aufrichten wollen". Sie danken nicht ein, sondern zehn, ja hundert Mal des Tages dem lieben Gott, daß er ihnen das Gesetz und so viele Gebräuche und Ceremonien gegeben habe, weil sie durch diese die Hoffnung und in ihren Gedanken sogar die Gewißheit haben, sich einen höheren Grad in dem zukünftigen Himmelreich zu erwerben. Mit solchen Juden ist es äußerst schwierig zu verkehren; und wenn der Missionar unter ihnen nicht durch das Wort Gottes die alte Lehre von der Gerechtigkeit durch den Glauben aufrichten kann, vermag er mit ihnen auch nichts auszurichten; denn sie glauben uns durch ihre Ceremonien und ihre sogenannte Heiligkeit weit zu übertreffen, da sie ja eine jegliche Thätigkeit ihres Lebens nach gewissen Gesetzen geregelt haben, welche sie in dem Worte Gottes zu finden vermeinen. Endlich giebt es eine dritte Klaffe, das sind Mystiker, für deren Zukunft der Missionar große Hoffnungen hegen darf; sie