Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 7-8 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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107 Erfahrungen sich zu bezeugen im Stande, wird allgemach an allen Enden der Erde vom Schalle des Evangeliums erreicht; die Predigt von Christo sucht die Juden bereits an den entlegensten Orten auf und dringt auch in die Länder ein, welche ihr bis dahin verschlossen waren. Der Herr ist also nahe, und sein Tag kommt eilend herbei! Das gicbt den Zeugen des Evangeliums denn auch neuen Muth, ihre Häupter zu erheben und nicht über den geringen Dingen der Gegenwart irre zu werden oder über den schwachen Zahlenerfolgen zu verzweifeln. Es ruft sie vielmehr Alles nach Vorwärts, und sie sehen die Gegenwart ganz in dem Lichte an, wie sich dieselbe einer gewissen Zukunft entgegeustreckt, — das Heute gewinnt ihnen über ihrer Gewißheit von dem Morgen eine ganz andere Gestalt. Gedanken der Art fanden wir in den Reden der Freunde Israels am Jahresscst der Londoner Mission überall ausgesprochen oder angedeutet. Bischof Ryan z. B. hat den Bericht der Gesellschaft gelesen und ist in demselben stets den gleichen charakteristischen Zügen begegnet. Er hat erkannt, daß die Mission an allen Orten den gleichen Zweck verfolgt, die Juden zu Christo zu rufen, daß sie sich aber in der Wahl ihrer Mittel und Wege, um ihr Ziel zu erreichen, durchaus von den örtlichen Verhältnissen bestimmen läßt. Mit Recht nennt es Bischof Ryan einen Jrrthum, die Juden so zu behandeln, als wären sie überall einfach nur von einer und derselben Art. Wohl bilden sie eine Ratze, aber die Charakterverschiedenheiten unter ihnen sind so groß, als sonst nur jemals zwischen Angehörigen zweier verschiedener Ratzen. Da ist ein Mann, der einen Sohn hat und ihn lieber sterben, als Christ werden sähe; dort aber begegnet der Missionar einem Andern, der sich um Religion gar nicht bekümmert. Wir finden alle Schattirungen menschlicher Meinungen, vom bigotesten Fanatismus bis zum trotzigsten Unglauben. Ebenso denn auch eine große Verschiedenheit der Erfolge. An einem Orte werden 2,500 Bibeln durch die Arbeiter der Gesellschaft verkauft, 10,000 andere durch die Bibelgesellschaft, davon ein Drittel an Juden; an einem anderen Orte dagegen giebt es nur verschlossene Thüren — und so wechselt eben das Bild in den Berichten der Gesellschaft auf's Mannigfaltigste. Jedesfalls aber geht die Arbeit durch gute und böse Tage weiter fort. Sie ist ja auch selbst in England nicht so neuen Datums. Rev. I. Richardson erzählt der Versammlung aus der früheren