Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 7-8 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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105 Mission lag das theilweise doch daran, daß diese großen Arbeitsfelder für sie bisher entweder ganz oder so ziemlich verschlossen waren. Jcwisch Herald rechnet ferner bei ca. 7,000,000Juden im Durchschnitt einen Missionsarbeiter auf 31,000 Seelen derselben.. Die katholischen und griechischen Arbeiter mitgcrcchnet stellt sich aber das Verhültniß anders; es kommt dann bereits ans 12,000 Seelen derselben ein solcher. Und sind dieselben auch sehr verschieden vertheilt, ja dies in solchem Maße, daß gerade die Hanptgebietc die kleinste Zahl der Arbeiter zählen, so wiederholt sich doch dasselbe Berhältniß auf dem Gebiete der Heidcnmission; nian denke besonders an China, die muhamedanischen Länder und Afrika — die eigentlichen Burgen und Festen der außerchristlichcn Religionen fangen eben jetzt erst an, das Belagerungshecr gegen sich anrücken zu sehen. Im Uebrigen aber ergiebt sich die überraschende Thatsachc, daß den Juden eine größere direkte Missionsthätigkeit zugewandt wird als den Heiden; denn auf 12,000 Heiden im Durchschnitt kommt durchaus noch nicht ein christlicher Arbeiter. Allerdings bringt es aber der Charakter der Judenmission, die es heutiges Tages eben durchaus noch nicht wie die Heidenmission mit dem nichtchristlichen Volke als Volke, sondern nur mit lauter einzelnen Personen zu thun hat, mit sich, daß hier ein viel größeres Kraftaufgebot stattfinden muß. Jedesfälls wird man jedoch auch sehen, daß, wenn viele selbst gläubige Christen so verächtlich auf die Judenmission herabblicken, sie dazu herzlich wenig Grund haben; das Werk darf sich getrost in die Reihe der übrigen christlichen Licbesthätigkeitcn stellen; und die Geduld, welche es gebietet, hat es nicht geringer werden lassen, sondern es ist unteraller Anfechtung, Verachtung und Achselzucken stetig gewachsen. Viele Freunde der Judenmission werden das selbst vielleicht noch nicht wissen; mögen diese Zeilen ihnen solches zum frohen Bewußtsein bringen. Mag sich unsre Freude auch noch darauf richten, daß der Osten, das größte Arbeitsfeld der Judenmission, sich allmählig derselben zu erschließen beginnt. Und wenn mit der neuen Arbeit wieder neue Geduld, neuer Glaube und neues Harren nothwendig sein werden, so rede zu uns die bisherige Erfahrung und tröste uns, daß es auch auf solchen Wegen im Reiche Gottes weiter geht. Die Judenmission hat einmal in der Zeit der christlichen Völker das Armuthsgewand zu tragen. Thut sie das aber