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Dibre Emeth · 1876-01-01 · 5-6 (1876) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
32 (1876)
Issue
5-6 (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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vielmehr begegnen uns in demselben die widersprechendsten Züge, und dicht neben dem Heiligen erblicken wir die Verzerrung; aber doch leuchtet uns aus jener Gesammtbeschrcibung so Vieles von dem entgegen, waö uns an unseren Heiland erinnert, daß gerade dieses Zeugniß aus dem Munde seiner Widersacher die lauteste Predigt von ihm und für ihn wird. Hier haben die Juden vielfach aus der Seele des A. T. gelesen. Fast alle die Stellen, hinsichtlich deren sie so oft den Christen gegenüber bestreiten, daß sie vom Messias reden, werden ihnen hier ein Zeugniß von demselben. Ja das ganze A. T. ist ihnen in diesem Traktat eine Hinweisung auf den Messias, und dieser selbst gilt ihnen an diesem Orte als der Mittelpunkt, um den sich das Gesetz und alle Propheten bewegen. Der Eindruck, welchen der Messias des Alten Testamentes und der Propheten auf die späteren Rabbiner gemacht hat, läßt sie eben ganz von selbst und trotz des Widerspruches, den sie gegen Jesum empfinden, immer wieder einen Messias zeichnen, der fort und fort in seiner ganzen Art auf eben den hindeutet, dem sie doch durchaus ihre Anerkennung und ihre Anbetung verweigerten. Vor Allem tritt in dem hier dargestellten Messiasbilde sehr deutlich die Armnth, Niedrigkeit und Kreuzgestalt zu Tage, welche den Juden einst an Jesu so wenig gefiel, und die auch hernach so oft noch ihren Widerwillen erweckt hat. Nur einige Male begegnen wir in dieser Darstellung jener fieischlichen Herrlichkeit des Davidssohnes, an welcher sich die jüdische Hoffnung so gern weidete, nachdem über Jesum der Stab gebrochen worden war. Zumeist ist er in unserem talmudischen Traktat der Mann der Schmerzen, der Arme und Elende; er kommt aus zerfallener Hütte, in böser Zeit und ohne zunächst die äußere Noth abzustellen. Sein Volk ist bei seiner Ankunft voller Ungerechtigkeit, und eben darin liegt der Grund der Zerrüttung desselben; als einzige Hoffnung wird denn auch für Israel nur das Dazwischentreten eines Messias geschildert, der seine Noth aus unverdienter Gnade auf sich nimmt. Dem Volke thut aber deshalb, so lesen wir hier, Buße und Bekehrung zu diesem Messias noth, sonst kann ihm nicht geholfen werden. Jcdesfalls wäre es allein die Schuld der Juden, wenn ihr verheißener Erlöser noch nicht gekommen sein sollte. Nicht an Gott, sondern an Israel läge es, wenn es die Erfüllung der Verheißungen bisher nicht erlebt hätte. — In fast verzweifelten Worten

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