Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 5-6 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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79 bricht das Verlangen nach diesem Retter heraus, aber schließlich läßt sich der Stachel im Gewissen nicht abbrcchen, daß Gott seine Zusage hält, und Israel vielmehr mit sich selbst zu Rathe gehn soll. Immer wieder tritt die Ahnung hervor, daß am Ende nun doch bereits der Messias erschienen ist, daß Israel ihn aber nicht angenommen hat, weil „er keine Gestalt noch Schöne" hatte, und all sein Elend seither Schuld dieser Mißachtung des rechten Messias ist. Aber freilich in allen Tagen der nachchristlichen Zeit, in der mittelalterlichen Periode wie in der Gegenwart hat sich Israel in sich selbst noch nicht zerbrochen genug gefühlt, um sich in die Arme Jesu zu werfen. Und doch läßt ihm wieder die Predigt vom Messias, welche ihm die eigene heilige Schrift entgegenbringt, nach allen vergeblichen Bemühungen, eine andere Messiasgestalt zu erfinden, stets von Neuem den Jesus der Evangelien vor die Augen treten. Israel kann einmal denselben nicht vergessen, denn Jahrhunderte und Jahrtausende lang hat es eben demselben im Wort der Schrift in's Angesicht geblickt. Mochte cs ihn in den verschiedenen Zeiten durch die verschiedenen Gebilde seiner eigenen Gedanken, die ihm allezumal „den Juden" in seiner höchsten Herrlichkeit zeigen sollten, zu ersetzen versuchen: hier durch den Pharisäer, dort durch den Talmudisten, dann durch den Reformer, den Orthodoxen oder den Chasid sonder Gleichen, es fand darüber keine Ruhe, denn sein Gewissen kam bei einem solchen Menschengemächte zu keinem Frieden und zu keinem wahrhaften Genügen; vielmehr wurde es fort und fort durch Den gestraft, von welchem Moses und alle Propheten geredet haben, von Jesu Christo. Derselbe aber blickt auch ferner Israel mit seinem heiligen und seinem barmherzigen Auge an; derselbe raubt ihm durch solchen Blick, der bis in die innersten Tiefen seines Herzens hineindringt, die Ruhe; derselbe lockt es dabei fort und fort durch den süßen Schall seines Evangelii und wartet so, bis die Stunde gekommen ist, nach der sein Herz sich sehnt, die Stunde, da es zu ihm hinausgeht und mit Petro „bitterlich weint", ans daß er ihm dann seine Arme öffne und ihm znruse: „Friede sei mit dir, dir sind deine Sünden vergeben!"