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Dibre Emeth · 1876-01-01 · 3-4 (1876) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
32 (1876)
Issue
3-4 (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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62 crmuthigtcr fühlte, so trat ich einen Schritt näher und sagte mit gedämpfter Stimme: „Onkel, Gott segne dich und öffne dir die Augen, daß du den Weg sehn magst, der zum Himmel führt, wie cs mir zu Theil geworden ist. Ich bedaurc dich von ganzem Herzen, daß du so tief in den talmndischcn Jrrthum und Aberglauben versunken bist. Ich bedaure dich unaussprechlich um der Worte willen, die du gesprochen hast und für die du wirst Rechenschaft geben müssen; deine eigenen Worte werden dich vor dem Throne des Gerichts verurtheilen. Bedenke, was du gegen einen Glauben gesprochen hast, den du gar nicht kennst. Wie konntest du ihn Götzendienst nennen, wenn du seine Geschichte und seine Quellen nicht kennst? Die hebräische Bibel, l. O., ist das Fundament der Religion, zu der ich mich bekannt habe. Ich gehöre nicht einem götzendienerischen Glauben an, sondern dem lebendigen Glauben an Jchovah, den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Ich diene nicht Bildern, sondern Elohim, dem Schöpfer Himmels und der Erde, dem Gott, der sich unserm Vater Abraham offenbaret hat, als er in einem Götzendiencrlaude lebte; und der Gott, welcher sich unserm Gesetzgeber Moses offenbarte, ist auch mein Gott. Der Messias und Heiland, nach dem alle Patriarchen und Propheten ausgeblickt haben, ist auch der meine. Ich weiß nichts von einem andern Gott oder Messias als dem, von welchen! uns unsere hebräische Bibel erzählt." Ich nannte ihm einige Bibelversc, und er war erstaunt, als ich sie in der heiligen Sprache anführte, so daß er mich sprachlos anblicktc. Ich fuhr fort: „Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit, dir dein Mißverständniß, als wäre ich ein Götzendiener, zu erklären. Nein, ein solcher bin ich nicht. Sei nicht so bitter gegen das Christenthum, das, wie du selbst siehst, du nicht kennst. Das Christeuthum wäre nicht, wenn nicht Mose und die Propheten uns von ihm gesagt hätten. Die Religion, um deren willen ich meine liebe Familie und Nation aufgegeben habe, ist die Religion, durch welche das gefallene Menschengeschlecht mit seinem Schöpfer Jehovah wieder versöhnt wird — es ist ein Glaube, der zum ewigen Leben leitet, statt zum ewigen Tode." Die Glocke unterbrach uns zum zweiten Male. „Gott mit dir, l. Onkel!" Ich nahm seine Hand und küßte sie warm. Ersah mich einen Augenblick an und sagte: „Obwohl ich kein Geschäft habe, um weiter zu reisen, so will ich doch mit dir noch einige Stationen

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