Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 3-4 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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61 Absicht, dem Ofen noch näher zu treten, war aber fast erschrocken, als ich Jemand hinter ittiv meinen hebräischen Namen aussprechen hörte. Ich sah mich augenblicklich um, wer das sein könnte, als meine Augen zu ihrem Erstaunen denen meines Oheims begegneten, den ich seit 1866 nicht gesehen hatte. Ich kann die Bestürzung nicht beschreiben, die ich in diesem Augenblicke empfand. Sein bleiches Angesicht und sein strenger Blick ließen mich am ganzen Leibe einen Schauer fühlen. „Onkel" rief ich, konnte aber nicht weiter sprechen. Nach kurzem Schweigen, während dessen wir einander angeblickt hatten, begann er: „Widerspenstiger und abtrünnischcr Sohn, Kind der Hölle, was hat dich nach Rußland gebracht? Willst du auch deine armen Brüder auf denselben Todesweg bringen, auf dem du wandelst? Willst du sie auch mit demselben Netze fangen, mit dem du gefangen bist? Du Teufelskind und ohne Erbarmen gegen deine arme verstorbene Mutter, die glücklicher gewesen wäre, wenn sie dich hätte als Kind begraben können. Sieh, welche Schande du über unsere Familie gebracht hast! und welch ein Unglück über deine arme Schwester! Denn wer in der Welt wird sie hcirathen? Jeder wird sagen, sie ist die Schwester eines Abtrünnigen, und dies zu sein, du weißt es selbst, ist das größte Verbrechen in den Augen des jüdischen Volks. Das schreckliche Feuer der Hölle wird nicht hinreichen zu deiner Strafe; deine arme Mutter muß jetzt um deinetwillen in der Hölle leiden, weil sie einen Abtrünnigen erzogen hat, welcher den lebendigen Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs verlassen und für den Glauben seiner Väter einen götzendienerischen Glauben eingetauscht hat, einen Glauben an abscheuliche Bilder, die das Werk von Menschenhänden sind, und vor ihnen knieet und sie anbetet. Ach bedenke, was du gethan hast, und was du noch thust. Bedenke, du kannst nicht immer leben, du mußt einmal sterben, und was wird dann aus dir werden?" Hier verlor der arme Mann seine Sprache; mit todtenähnlichem Gesicht setzte er sich nieder, ein schwerer Seufzer löste sich von seinem Herzen, und er brach in eine Fluth von Thränen aus. Er schrie so laut, daß es alle Mitreisenden herbeizog und sie ihn mit großer Theilnahme und Mitleid anblickten, während einer den andern frug, was denn hier wäre? Während er aber schrie, weckte uns das erste Läuten aus unserem Schweigen. Da ich sah, daß ich keine Zeit zu verlieren hatte, wenn ich etwas sagen wollte, und mich etwas