Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 3-4 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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63 weiter gehen. Ich kann deinen Namen aus meinem Herzen nicht vertilgen, du bist der Sohn meiner geliebten Schwester." Er eilte nach einem Billet und stieg bei mir ein. Ich kann die ganze Unterhaltung nicht wiedcrzählen, die ich mit ihm bis 8 Uhr Morgens hatte. Nie in meinem Leben fühlte ich mich so glücklich und dankbar gegen den Herrn für den Muth, den er mir gab, und die Antworten und Erklärungen, die ich ihm auf alle Fragen über das Christenthum geben konnte. „Obgleich, sagte er, ich dir nicht zugebe, daß cs recht ist, den Glauben zu verlassen, in dem ein Mensch erzogen ist, und obgleich wir dein Beispiel Abrahams nicht verstehen können, so will ich doch gegen den Glauben, mit dem ich nicht bekannt bin, nichts mehr sprechen." Ich war überaus glücklich darüber, daß ich jetzt gerade meine hebräische Bibel bei mir gehabt hatte, denn es machte auf meinen Oheim einen' großen Eindruck, nicht allein, daß ich ihm aus derselben viele Sprüche zeigte, sondern die Thatsache selbst, daß er eine hebräische Bibel in meinem Besitz sah. „Ich dachte," sagte er zuletzt, „du gehörtest zu den Leuten, die alle Arten von Heiligen und Bildern anbeten; die Gemeinschaft, zu der du gehörst, ist mir ganz fremd." Die hebräische Bibel, in der einige schriftliche Bemerkungen von meiner Hand standen, nahm er von mir und sagte: „Schreib deinen Namen hinein und den Tag unserer Begegnung, 'und gicb sie mir als ein Andenken au unser Wiedersehen!" Wir küßten einander unter Thränen; er versprach mir, gegen den christlichen Glauben nicht weiter so viele Vorurtheile hegen und mich nicht mehr als einen Todtcn betrachten zu wollen. An der Station Gatchina schieden wir von einander; ich werde dieselbe nie in meinem Leben vergessen. Dank sei unserem himmlischen Vater für diese wunderbare Begegnung; der Anfang derselben war schmerzlich, aber sie endigte mit viel Frieden und Segen, wie ich denn in Folge derselben mit meinem Oheim jetzt im Briefwechsel stehe und von ihm bereits zwei sehr freundliche Briefe empfangen habe. Taufen in Warschau. Ein theurer Freund der Jndenmission in Warschau hat sich