Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 3-4 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Freunde genannt werden, welche demselben fort und fort cinreden, daß es das Muster für die übrige Menschheit sei. Oder redet denn nicht jene traurige Thatsachc, daß die Erinnerung an die Beziehungen zwischen den Jlldcn und ihrer Umgebung durch lange Zeiträume fast nur Bilder des allerböscsten Haders um des armseligen Geldes willen enthält, auch zu den Herzen Israels ihre tief beschämende Sprache? Die unmenschliche' Rache, welche die andern Völker nahmen, und die blutigen Verfolgungen, mit denen sie den Juden vergalten, schreien zum Himmel; aber das Volk der Juden hat sicher auch im Angesicht dessen, was ihm die Jahrhunderte bezeugen, den dringendsten Anlaß zur Scham und zur Selbstprüfung. Wenn ihr, liebe Brüder aus Israel, in die früheren Tage zurückblickt, so seht ihr, wie oft eure Lehrer euch gutes Muthcs sein hießen, zumal wenn ihr in irgeiib einem Lande reich und angesehen wurdet. Aber habt ihr euch nicht über kurz oder lang ein jedes Mal betrogen gesehen, wenn ihr jenen Stimmen glaubtet? Und ist nicht gerade, was euch Sicherheit geben sollte, stets der Anlaß zu eurem Verderben geworden? Der glühendste Patriot, den Israel je gekannt hat, der sein Volk mit einer Liebe liebte, mit der sonst wohl noch kein Volk geliebt worden ist (Brief an die Römer K. 9, 3): Paulus *hat im Anschluß an die Weissagungen, die einst Israel für seine Verbannung aus Kanaan durch den Propheten mit auf den Weg gegeben worden sind, euer Schicksal, das ihr in der Zeit nach der Verwerfung Christi unter den Nationen erleiden würdet, in einer Weise beschrieben, die nun 18 Jahrhunderte wörtlich wahr gemacht haben. Im 11. Kap. seines Brieses an die Römer behandelt er die Zukunft, die euch mit der Abkehr von Christo bevorsteht, in ihrem ganzen Verlaufe bis zu dem letzten Schlüsse hin. Er sieht da nicht blos Tage des Druckes und der Verachtung, sondern auch Tage des Genusses und der Erdenherrlichkeit für euch kommen, aber wendet alsdann für dieselben einige Davidsworte an: „Und David spricht: Es werde ihr Tisch ihnen zum Strick und zur Falle und zur Grube und zur Vergeltung; ihre Augen müssen verfinstert werden, nicht zu sehen, und ihren Rücken beuge immerfort". Die Worte sind freilich überaus ernst, aber sind sie denn ernster als die Wirklichkeit, die ihr seitdem erlebt habt? Sagen es nicht auch eure eigenen Geschichtsschreiber und eure eigenen Wortführer bis auf die heutigen herab, daß die von Vielen oder Wenigen