Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 3-4 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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55 Zeiten, da der talmudische Glaube das ganze Herz und Leben der Juden erfüllte, galt auch von ihnen das Wort: „Sie eifern um Gott", und der Familiensinn wie die Anhänglichkeit an den eigenen Stamni zeichnen noch jetzt vielfach und allgemeiner die Glieder desselben aus. Ja, wir glauben sogar an eine Zukunft Israels, da eben dies Volk allen Andern ein Beispiel aufrichtiger und tiefer Buße, und da cs den Völkern der bisherigen Christenheit ein rechter Prediger des Glaubens Christi in allen Früchten desselben sein wird. So wenig widerstrebt uns der Gedanke, uns das Bild der Juden im schönsten und erhabensten Lichte zu denken. Aber liegt denn nicht in den Geständnissen, welche, wie wir gesehen haben, die Führer und Lehrer eurer verschiedenen Parteien abzulegen sich genöthigt sehen, trotz aller Verschleierungen und trotz alles Selbstrühmens genug, was darauf hinweist, daß doch ungemein ernste Schäden von Alters her an dem zerstreuten Israel nagen? Jst's denn recht, wenn die so tief krankhafte soziale Verfassung desVolks durch die Erfindung „einer materiellen Mission" beschönigt wird? Und kann es wohl Achtung verdienen, wenn bei diesem so überaus schweren Nothstande dem jüdischen Stamme von seinen Lehrern immer noch gesagt wird, daß er der Menschheit an seinem Beispiele die Gestaltung des Lebens nach dem ächten sozialen und sittlichen Gesetze des einzigen Gottes zeige? Die Propheten wußten nichts davon, daß Gott seinem Volke für die Zeit der Verbannung und Verstoßung aus Kanaan jene obige Aufgabe zugewiesen habe. Im Namen Gottes wird vielmehr das vertriebene Israel zum Handwerk und zur Landarbeit vermahnt: „Bauet Häuser, pflanzet Gärten und esset ihre Früchte" (Jcrm. 29, 6). Daß euer Volk den Ackerbau und das Handwerk schon von den Römertagen an, und ehe cs auch nur im Mindesten hierzu gezwungen wurde, je länger desto mehr verlassen, um sich ans einer produktive Arbeit treibenden Nation, die es in früheren Tagen gewesen war, fast völlig in eine handeltreibende umzuwandeln, vermögen alle Rechtfertigungsversuche nicht gut zu machen. Und wenn die neue Periode Israels, die gerade von euren Wortführern so hoch erhoben wird, in dieser Beziehung eingestandenermaßen nur noch schlimmer gewirkt, wenn sie, wie von Jenen eingeräumt wird, in eurer Mitte besonders auffallend und häustg das bloße Streben nach Gewinn und Geldbesitz herausgebildct hat, dann können die nicht eures Volkes wahre