Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 3-4 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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S4 christlichen Gebiete sehen, bei ihm auf der einen Seite überall nur ein Anlehneu an das Fremde, das ihm jene Völker vor Augen führen und darbieten — Originalität, so gebet ihr selbst zu, habt ihr hier nicht an den Tag gelegt — auf der andern Seite besteht diese Geschichte aus einer endlosen Reihe überaus trauriger Konflikte, welche ganz überwiegend über der Frage vom Mein und Dein entstanden sind. Der religiöse Sinn aber, das ging ans allen von uns beigebrachten Schilderungen eurer verschiedensten Parteiführer hervor, ist so ziemlich überall auf dem ganzen jüdischen Gebiete im allerentschiedensten Sinken begriffen, und an religiöser Energie vergleicht sich auch nicht entfernt die Gegenwart Israels mit der Vergangenheit. Wir wissen daher wirklich nicht, auf welche Weise es möglich sein soll, das Zcngniß der Geschichte für daö Judenthum, zumal aber für das heutige, ausznrufen, und fragen wieder alle unparteiisch richten wollenden Juden unter unseren Lesern: Können wir Christen cs denn nach dem Ausweise der Jahrhunderte bis heute glauben, daß, wir sagen nicht: ein Christo anhangendcs jüdisches Volk, sondern: „das Judenthum eine bedeutende Zukunft für seine Bekenner sowohl, als auch für die gesammte ringende Menschheit habe"? Freilich aber wird nun vielfach von euren Lehrern an die Stelle des Judenthums die Person des Juden gesetzt. Man stellt es euch so dar, als ob „der Jude der Inbegriff der gesammten Menschheit und die höchste Vollendung des Menschenthums sei". Nun, wir wenden uns in der That von dem Juden nicht deshalb ab, weil er eben Jude ist. Die höchsten und liebsten Namen, die wir kennen, sind uns im Gegenthcil Namen von Juden. Wir blicken den Stammvater Israels und alle die Israeliten, welche das Alte Testament rühmt, als bleibende Vorbilder für alle Menschen der ganzen Welt an. Wir bekennen, daß unser Heiland als Mensch ein Jude gewesen sei, und unser Heil von den Juden komme. Wir wollen als die ersten Steine im Tempel der christlichen Kirche nur die jüdischen Apostel gelten lassen, Maria, ein jüdisches Weib, ist uns die Bcncdeiete unter den Weibern, und wir nehmen nur die von lauter Juden geschriebenen Bücher des Alten und Neuen Testaments als bleibende Richtschnur für unseren Glauben und unser Leben an. Ebenso erkennen wir auch an dem Israel, das sich von dem Heilande abgewandt hat, noch manche edle Züge. In den