Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1876-01-01 · 3-4 (1876) · page 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
32 (1876)
Issue
3-4 (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2554828-2554831--06543-2562532
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

53 Aber die Sonne erfährt die Welt eben an ihrer erwärmenden und erleuchtenden Kraft, und Licht und Lebenswärme hat das Judenthum nirgends der Welt gespendet. Müßt ihr nicht, ihr lieben Freunde aus Israel, also, wenn ihr euch mit der Billigkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit berathet, auch selbst bekennen, daß eure Lehrer euch Vergebliches einreden, wenn sie von eurer „geistigen Mission", von eurem Zeugenamt für den reinen Monotheismus sprechen? Ueberlegt aber auch ferner: Steht die Sache denn wirklich so, wie euch stets vorgehalten wird, daß in seinem Monotheismus „das Judenthum allein einen Gedankeninhalt darbietet, der mit der Menschheit, mit dem Verstände und dem Herzen übereinstimmt"? Wir fragen dabei ja doch wohl billig, ob die ungezählten Millionen, die seit 1800 Jahren den jüdischen Monotheismus abgcwiesen und den christlichen angenommen haben oder ihn noch immer festhalten, keinen Menschenverstand und kein Menschenherz hatten und haben? Viele unserer größten Männer auf allen Gebieten des Lebens, die auch ihr ja sonst als eure Lehrer und Meister anscht, haben bis heute von ganzem Herzen und mit der vollsten Entscheidung ihres hochentwickelten Verstandes den christlichen Monotheismus erwählt, und diese alle erkannten in denjenigen christlichen Parteien, welche den Monotheismus der Juden und Muhamcdaner theilten. Irrende, denen nachzufolgcn sie so wenig Grund besaßen, daß sie dies vielmehr als ein Zurücksinken auf eine tiefere Stufe betrachteten. Aber auch die Geschichte steht jedesfalls dem jüdischen Monotheismus nicht zur Seite; und sicher ist cs höchst gewagt, für denselben ihr Zeugniß aufzurufen. Denn die Lebensbcweise, welche die dem jüdischen Monotheismus geneigten christlichen Völker und Gemeinschaften gegeben haben, sind äußerst geringe. Wie bald mußten doch diese alle vom Schauplatze wieder abtreten, oder welch ein kümmerliches Dasein fristen sie in der Gesammthcit! Der Muhamedanismus sodann hat wohl für einige Zeit geblüht oder in der Gegenwart etliche roheste Stämme ein wenig gehoben, iin klebrigen dagegen seine eigenen Völker je länger desto offenbarer in eine Altersschwäche versinken lassen, aus welcher er sic zu erretten völlig unfähig ist, und kann sich, nach' seinen dauerhaften Früchten beurtheilt, trotz seines sog. reinen Monotheismus auch nicht im Mindesten mit dem Christenthume messen. Die Geschichte des zerstreuten jüdischen Volkes aber zeigt, mag man auf die heidnischen, die muhamedanischen oder die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.