Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 3-4 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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52 brochener Reihe Gemeinschaften gegeben, welche diese Lehre nicht blos bei sich selbst pflegten, wie ihr es thatet, sondern es auch, im Unterschiede von euch, zu ihrer Lebensaufgabe machten, dieselbe weiter fortzupflanzeu und die übrige Menschheit für dieselbe zu gewinnen. Geschähe der Welt die größte Wohlthat durch die Annahme eben dieses Monotheismus, dann habt gerade ihr Juden euch am Allerwenigsten das Verdienst erworben, eure Mitmenschen in den Besitz dieses hohen Gutes zu setzen. Denn während die Ebioniten, die Arianer, die Sozinianer, die Rationalisten und die Unitarier im Gebiete des Christeuthums sich von Anfang an bis heute um die Anerkennung, daß Gott nur eine Person sei, gemüht haben, wart ihr Juden damit ganz zufrieden, für euch selbst diese Lehre fcstznhalten. Während jene christlichen Parteien Millionen um sich sammelten und auch aus den Heiden ganze Völker für diesen Monotheismus gewannen, während sie vielfach selbst in der Arbeit und Mühe, der übrigen Welt diese ihre vermeintliche Wohlthat zu Theil werden zu lassen, Leiden und Nöthe und das Martyrium nicht scheuten, beschränktet ihr euch darauf, nur selbst dieses Dogma in allen Lagen festzuhaltcn. Während die Muhamcdaner schon vor 1200 Jahren die Bekehrung der Menschheit zu jenem sog. reinen Monotheismus mit solchem Eifer aufnahmeu, daß sie halbe Weltthcile für denselben eroberten, und während sie ihn noch fort und fort bis in's Innere Afrikas hinein verbreiten, ließet ihr indeß eure Mitmenschen ruhig die eigenen Wege gehen. Während ihr auf's Eifrigste bemüht wäret, die verschiedenen geistigen und materiellen Güter der andern Nationen euch anzueignen, und ihr um dieselben die entschlossensten Kämpfe geführt habt, wißt ihr selbst nicht einmal viel davon zu sagen, daß euch die Liebe getrieben hätte, euer Gutes in ihre Hände zu legen. In der That, es bleibt nach dem Ausweise der Geschichte nur die Wahl: Entweder daß Israel in der Zerstreuung jene vermeintliche Aufgabe, der Träger und Zeuge des fraglichen Monotheismus in der Welt zu sein, gar nicht gehabt hat — oder daß es eben so saumselig in der Erfüllung derselben gewesen ist, als Andere thätig. In keinem der beiden Fälle aber hat die Welt Grund, das zerstreute Israel mit Dankbarkeit anzusehen oder von ihm hoch zu halten. Man sagt euch freilich, daß Israel wie die Sonne am Himmel stehen sollte, und es dann an der Welt lag, sich auch von ihr erleuchten zu lassen.