Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 3-4 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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51 fahrmigcn des Lebens lassen ja einen Jeglichen, der nur sehen will, ein klares Urtheil gewinnen. „Das jüdische Volk soll in seiner Zerstreuung der Träger des reinen Monotheismus und damit das Priestervolk der Erde sein", so wird ganz allgemein das jetzige Israel von seinen Lehrern in den verschiedensten Parteien sich selbst und seine Gegenwart in den fremden Ländern zu betrachten angewiesen. Wir aber fragen unsere jüdischen Mitbrüder, ob es nicht Wahrheit ist, daß sich das Alte Testament über diesen Kardinalpunkt ganz anders ausspricht? Ihr werdet cs zugestehen, daß nach eurer und unsrer heiligen Schrift die Zerstreuung Israels nur als ein Gericht und zwar als das schwerste Gericht, welches Gott über sein Volk verhängen wollte, dargesteüt wird. Und die Propheten wissen nichts davon, daß Israel während dieser Zeit im Bunde mit dem wahren Gotte und in der Ausübung des wahren Gottesdienstes steht, sondern, um nur eines Beispiels zu erwähnen: der Prophet Hosea vergleicht Israel für die Dauer dieses ganzen Zeitraums mit einem ehebrecherischen Weibe, das sein Gemahl verstößt und doch auch nicht in einen neuen Ehebund mit einem Andern treten läßt, bis er selbst es zuletzt wieder annehmeu werde; K. 3, 5: „Die Kinder Israel werden lange ohne König und ohne Obersten und ohne Opfer und ohne Bildsäule und ohne Schultcrkleid und ohne Hausgötzen bleiben. Danach werden die Kinder Israel zurückkehrcn und Jehovah, ihren Gott suchen und David, ihren König, und hineilen zu Jehovah und zu seinem Segen in der letzten Zeit." Also in religiöser, in staatlicher und gesellschaftlicher Beziehung, weissagt Hosea, werden die Juden der Zerstreuung nicht mehr das seinen Beruf ausübende Gottesvolk und doch auch nicht Glieder an dem Leibe der andern Nationen sein, sondern ihr Zustand wird sich in diesem Zeiträume nach der Vorausverkündigung als ein tief, zwiespältiges Wesen darstellen. So steht es in Israels eigenster heiliger Schrift. Aber auch die Geschichte, ihr lieben jüdischen Freunde, hat kein anderes Zeugniß für euch. Denn wäre die Lehre wirklich der reine Monotheismus, welche behauptet, daß Gott nur eine einzige Person sei, so fiele die Ehre: der Träger, Zeuge und Verkündiger desselben zu sein, gewiß so manchem Anderen vor euch, den zerstreuten Juden, zu. Von Anfang der christlichen Zeit an hat es ja stets und in ununter-