Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 3-4 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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50 brauchen, gicbt den jüdischen Wortführern Anlaß, ihr Voll bei allen Angriffen nur als einen Märtyrer darzustcllen, der alle seine Leiden lediglich für seine Gerechtigkeit erlitten habe. Selbst ein Anerbach nennt die ganze Geschichte der Inden nach Christo „ein achtzehnhundertjähriges Martyrologium". Aus den Mahnungen werden daher auch bald wieder Beruhigungen. „Keine Entmutigung" rufen sie den Ihrigen zu: „Denn weder in den Regierungen, noch in den Parlamenten, noch beim Staate, noch im Volke gehen diese schmählichen Angriffe vor sich, ja nicht einmal im katholischen Volke, sondern allein in einem Theile der Presse, in Tageblättern, Broschüren und größeren Schriftwerken. Alle diese aber haben auf das wirkliche Leben keinen Einfluß, und können daher wohl Vorurtheil und Ungunst in einer Anzahl ihrer Anhänger Hervorrufen oder schärfen, aber weiter nichts. Setzen wir uns daher ruhig darüber hinweg; mögen sie ihre Litanei wiederholen, sie werden schließlich nur der Langenweilc anheimfalleu." Doch liegt nun aber leider auch gar zu viele Wahrheit darin, wenn die „Allg. Z. d. Judenth." schreibt: „Kommen die modernen Judenfeinde zum Schluß, so erweisen sic sich, sehr unähnlich ihren mittelalterlichen Spießgesellen, völlig rathlos, was man eigentlich mit den Inden anfangen solle?" „Wenn nichts gelingt, wissen jene Widersacher sich nicht anders zu helfen, als den härenen Mantel des Propheten um die spitzen Schultern und schlaffen Arme zu schlagen und zu weissagen, daß die ganze Welt über den zerstreuten Juden zusammenbrcchen werde, nur um diese unter ihren Trümmern zu begraben." Es hat keine Gefahr, es hat keine Noth — das ist also das letzte Ergebniß, welches die ansehnlichsten Lehrer unseres heutigen Israel nach allen Erregungen der Letztzeit ihm zurufen. Wir wissen nun freilich, daß Feindseligkeit und Bitterkeit auf christlicher Seite unsere jüdischen Brüder nicht veranlassen werden, über ihre Lage ernster nachzudenken. Aber wir möchten sie, indem wir selbst alle Lieblosigkeit, die sich aus unserer Mitte her gegen sie erhebt, ohne jede Entschuldigung verurtheilen, auf's Herzlichste bitten, es mit uns noch einmal zu erwägen, ob sie ihren eigenen Führern ohne Gefahr folgen dürfen? ob eben dieselben für die Wahrheit und Gerechtigkeit eintreten? ob diese ihre wirklichen Freunde und ihre Rathgeber zum Besten sind? Die heilige Schrift und die Er-