Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 3-4 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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47 Verkehrs im Großen und Kleinen überkamen." Als jedoch auch zu viele Liberale die Sache ernstlich anffaßten, nahmen die oben Genannten den Gegenstand in ihren Blättern weiter auf. Philippson schrieb unter solchen Eindrücken den Seinen: „Wir werden zwar in religiöser Beziehung immer Juden bleiben, aber auch das, was aus den früheren Zeiten in materiell-sozialer Hinsicht uns noch anhaftet, wird allmählig verschwinden... Und diese Vorgänge müssen uns anfcuern, alte Schäden, deren Heilung man uns so sehr erschwert, zu beseitigen." Derselbe in weiten jüdischen Kreisen ganz besonders gefeierte Schriftsteller fügt aber erklärend hinzu, „daß die Juden ein halbes Jahrtausend nach dem Fall Jerusalems überall dem Handwerk und dem Ackerbau oblagen, und erst die Christen sie zwangen, sich dem Handel zu ergeben." Doch der so gefaßten Erklärung widerspricht selbst Lehmann in seiner orthodoxen Zeitschrift „der Israelit" und führt mit dem Geschichtsforscher Mommsen aus: „Schon zur Zeit Cüsars war das vorwiegende Geschäft der Juden der Handel; mit dem erobernden römischen Kaufmann zog damals der jüdische Händler ebenso überall hin, wie später neben dem genuesischen und vcnetianischen, und neben der römischen strömte das Kapital allerorts bei der jüdischen Kaufmannschaft zusammen". In der That ist ja auch den Juden der Landbesitz allgemein erst nach den Kreuzzügen verboten worden; bis dahin waren sie vielfach noch Eigenthümcr von Ländern, freilich aber nur selten auch die Bebauer derselben gewesen. Die heutigen Ackerbau treibenden Juden der Krimm sind nicht echt jüdischer Abstammung. Dagegen hat sich eine im Verhältnis zu anderen Ländern bemerkenswerthe Zahl von Juden in Rußland, Rumänien und Arabien schon seit längerer Zeit den Handwerken zugewandt. Im Allgemeinen aber waren die Juden der Zerstreuung je länger je mehr ein Handelsvolk geworden, und seit dem Mittelalter zwangen sie auch sehr viele Völker, dies zu bleiben. Nachdem jedoch die Schranken gefallen sind, welche in der eigentlich mittelalterlichen Zeit bis in unser Jahrhundert hinein den Juden im Wege gestanden haben, sich an den Handwerken, dem Ackerbau und anderen Berufen, in denen sie die produktive Arbeit des Volks mit aufnehmen konnten, zu betheiligen, ist Anfangs durch einsichtige und opferwillige Juden auf mannigfaltige Weise der Versuch gemacht worden, den Sinn gerade für diese Thätigkeit unter den Ihrigen zu wecken. Es wurden von Solchen Schulen und Anstalten