Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 3-4 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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46 Die „Mg. Zeitung des Judcnthumö" bezeugt in ihrem vergangenen Jahrgange, daß sich augenblicklich überall in der civilisirtcn Welt „eine Fluth gegen die Juden" erhoben habe. „Angriffe der gröbsten Art ergehen seit geraumer Zeit durch alle Theile der civilisirten Welt gegen die Inden, bald an der Newa, der Oberen und Unteren Donau, der Weichsel und der Spree, bald am Tiber, am Rhein und an der Seine, und sic werden selbst an den Strömen Nord-Amerikas mit wahrhaftiger Wuth und Zähigkeit laut." „Der Grund ist Mißgunst, ganz gemeine Mißgunst... Dies Gefühl ist überall verbreitet und ist in unserer Zeit die eigentliche Wurzel des Judenhasses. Das Stück Brot, das ein Jude hat und verzehrt, müßte eben ein Christ haben und verzehren." Oder es heißt auch wieder: „Wenn die Feindseligkeiten vereinzelt geschähen, so könnte inan voranssctzen, daß die Juden dieser Oertlichkeiten durch ihr bürgerliches und sittliches Verhalten jene veranlaßt hätten und sie zum Theil rechtfertigen. Da dies aber nicht der Fall ist, da die Widersacher überall und in gleicher Weise erstehen, so geht überklar daraus hervor, daß wir cs mit einem allgemeinen Plane aus bestimmten Parteimotivcn zu thun haben, und daher auch für uns eine gemeinsame Sache darin liegt." Als die Angreifer werden dann die Ultramontanen genannt, aber an anderen Stellen wird doch wieder erklärt, daß die Anklagen auch eben so heftig sich dort wiederholen, wo cs gar keine Ultramontanen giebt, und daß man aus allen politischen, sozialen wie religiösen Lagern heraus dieselben Beschuldigungen erhebt. Die Vorwürfe selbst aber betreffen nach der eigenen Darstellung jüdischer Blätter besonders zwei Punkte: das eine Mal, daß die Juden in den Kulturländern sich in übergroßem Maße von den erwerbenden Lebensbernfen: dem Ackerbau, den Handwerken und aller Arbeit, die Gegenstände von Werth erzeugen hilft, fernhalten — und das andere Mal, daß zu viele unter ihnen sich dem Handel, besonders aber auch der in der Gegenwart so überaus entarteten und die Gegensätze in den Besitzverhältnissen auf's Schlimmste schärfenden Spekulation zugewandt haben sollen. Anfangs nun fertigten die gewöhnlichen jüdischen Stimmführer diese Anklagen kurz ab. Philippson erklärte denselben gegenüber: „daß die Juden neben ihrer großen geistigen Mission auch andere Aufgaben, die mehr in das materielle und reale Leben eingreifen, die Vermittelung des Waarenaustausches und damit auch des Geld-