Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 1-2 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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BO Satzung ist! Aber seine alte, fromme Mutter bat ihn inniglich, er möchte es ihr zu lieb thun und ihr zeigen, daß er ihre Sitten und Gebräuche nicht verachte. Er gab daher nach undwilligte ein, aber nur unter der Bedingung, daß er die lügenhafte Danksagung nicht sprechen, wohl aber das Tischgebet vor und nach der Mahlzeit sprechen durfte. Demnach wusch der „christliche Rabbi" seine Hände drei Mal, rezitirte dabei den üblichen 33. Psalm in hebräischer Sprache, und dann sprach er ein lautes, für die Umstände und Verhältnisse passendes hebräisches Gebet, welches mit den folgenden Worten schloß: „Gebenedeiet seiest Du, lieber himmlischer Vater, der Du uns mit leiblichen und geistlichen Gütern segnest und unsere Gebete erhörest, wenn wir Dich im Namen Jeschua hanozry (Jesus von Nazareth), des Königs Israels, anrufen. Amen!" Darauf antworteten Alle ein halblautes, aber ernstes Amen. Nach dem Essen sprach der scheidende Gast ein ähnliches Gebet mit thränenden Augen. Beim Abschied gab er seiner Mutter ein hebräisches Neues Testament mit den Worten: „Behalte dieses Buch als Andenken von deinem treuen, dich noch immer liebenden Sohn N." — Diese Worte schrieb er auch in das Testament hinein. Sie nahm dieses Andenken schüchtern, aber dankbar an mit der Bemerkung: „Dieses kleine Buch hat meinen lieben Sohn weise gemacht, darum will ich es aufheben zum Andenken". Auch seinen Schwestern, Schwägern, ihren Kindern und allen empfänglichen Verwandten gab er zum Andenken einzelne Evangelien und gute Traktate. Die Mutter und die Schwestern umarmten noch ihren Sohn und Bruder, küßten ihn herzlich, und die Verwandten drückten ihm warm die Hände. Als er ihnen aber das letzte Lebewohl sagen wollte, da entstand wieder ein herzzerreißendes Weinen und Jammern, wie vor 14 Jahren, als er sie um der Wahrheit willen zum ersten Mal verlassen mußte. Der evangelische Prediger tröstete aber seine Lieben mit dem schönen 126. Psalm, welcher mit den Worten beginnt: „Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden". Alle begleiteten ihn nun auf den Bahnhof. Unterwegs dorthin kam ihnen ein Bote vom Oberrabbiner dieser Stadt entgegen und lud den christlichen Geistlichen zum Rabbi N. ein, welcher von