Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 1-2 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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31 diesem Besuch gehört und mit dem Geistlichen sprechen wollte; aber beim besten Willen konnte er diese Einladung nicht annehmen. Auf dem Bahnhof angekommen, fand er dort Hunderte von Juden, welche gekommen waren, den „jüdischen Kommer" noch einmal zu sehe». Der scheidende Sohn küßte seine weinende Mutter und Schwestern, drückte seinen Verwandten die Hände, und als er schon einsteigen wollte, riefen sie ihm Alle auf hebräisch noch zu: „Also sollt ihr segnen die Kinder Israel, sprich zu ihnen: Es segne dich Adonai und behüte dich; Adonai lasse dir leuchten sein Antlitz und sei dir gnädig; Adonai wende sein Antlitz dir zu und gebe dir Frieden! Also sollen sie meinen Namen auf die Kinder Israel legen, daß ich sie segne." (4. Mose 6. 23—27.) Darauf rief ihnen der Abreisende aus dem Waggon zu: „Die Gnade des Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heil. Geistes sei mit euch allen. Amen!" Als der Zug davonbrauste, blickten die Zurückgebliebenen noch lange mit nassen Augen demselben nach, und der alten Mutter kam diese Zusammenkunft und dieses Wiedersehen wie ein schöner Traum vor, der sie geistlich erquickt, aber leiblich ermüdet hat. — Der Reisende aber setzte sich in einen Winkel des Waggons und las aufmerksam und nachdenkend das 11. Kapitel des Römerbriefs — in seinem Herzen zu Gott betend, daß er dem ausgestrentcn Samen sein Gedeihen verleihen möge. Ans -er Literatur. Aingende Wachte. Eine Novelle ans dem östlichen Jndenthum von I. Bonnet. Norden, bei F. Soltau. Wir werden hier in das jüdische Leben Galiziens und des Ostens eingeführt. Der noch ungebrochene Talmudismus, das chasidische Unwesen, das leichtfertige Reformerthum, die furchtbare soziale Verwickelung der Juden mit ihrer Umgebung, das Sehnen und Fragen nach der Wahrheit, welches durch die heilige Schrift immer neue Nahrung empfängt, der Kampf, welcher darüber in den Herzen und Familien entsteht, und der endliche Sieg der Wahrheit, nachdem in dem einen Falle der Streit im Geist und Gewissen ehrlich ausgetragen ist, im anderen das furchtbarste Gericht die