Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 1-2 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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29 einer gemeinsamen Mahlzeit seufzte der gläubige Sohn mit Jeremia zu Gott: „Bekehre Du uns zu Dir, o Herr, so werden wir recht bekehrt!", und die kleine jüdische Hausgemeinde antwortete: „Erneuere unsere Tage wie vor Alters!" Amen. Am folgenden Tage waren Alle um 6 Uhr früh schon wieder versammelt, um zu hören, was der „christliche Rabbi" (wie sie nun den evangelischen Geistlichen nannten, und nicht mehr Kammer) ihnen zum Abschied noch zu sagen hätte. — Da öffnete der Christ noch einmal seine hebräische Bibel und sein hebräisches Neues Testament und zeigte ihnen das Verhältniß beider Testamente zu einander, wie das Alte Testament die Blüthe ist, das Neue Testament aber die reife Frucht, daö A. T. das Gerüst, das N. T. das Gebäude selbst, das A. T. das Palais, das N. T. der Schlüssel zu demselben, das A. T. der Schatten, das N. T. das volle und Helle Licht, das A. T. die Morgenröthe, das N. T. der Sonnenaufgang sei. Das A. T. enthalte die Verheißung, das N. T. die Erfüllung. Das A. T, predige Gesetz, das N. T. aber Gnade. Das A. T. sei das Heiligthum und das N. T. das Allerheiligfle. Sodann führte der ermuthigte Prediger seine aufmerksamen Zuhörer in die besonderen Lehren des Neuen Testaments und der christlichen Glaubenslehre ein und zeigte ihnen, daß ein gläubiger Jude zwar ein Sklave Gottes, aber ein gläubiger Christ ein Kind Gottes sei, wie auch Moses ein Knecht Gottes war, während Jesus der Sohn Gottes ist. Das Judeflthum habe einen zürnenden und eifrigen Gott, aber das wahre Christenthum hat einen versöhnten und liebenden Vater. Die Juden fürchten Gott, aber die Christen lieben Gott. Den Schluß dieser ernsten Unterhaltung, welche über 5 Stunden lang dauerte, bildete die Kardinal-Stelle Ap.-Gesch. 4, 12 (Es ist in keinem Andern das Heil rc.). Vor dem Abschiede genoß die ganze Familie eine gemeinschaftliche Mahlzeit. Der christliche Sohn wurde aber von seiner ganzen Familie höflich und sreundlichst gebeten, er möchte doch seine Hände vor der Mahlzeit nach der rabbinischen Verordnung waschen. Anfangs weigerte er sich, diese jüdische Ceremonie mitzumachen, weil diese Ceremonie mit einer Lüge verbunden ist, indem die Juden beim Waschen der Hände Gott danken und Ihn loben und preisen dafür, daß Er ihnen geboten habe, die Hände zu waschen, während es doch nur eine rabbinische