Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 1-2 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Nun that der Prediger des Evangeliums seinen Mund auf und fing an, seiner Mutter und den übrigen Verwandten mit großer Freudigkeit des Herzens das Evangelium zu predigen. Zuerst beantwortete er ihnen ihre Fragen, dann vertheidigte er das Christenthum gegen die Angriffe der Juden und Judengenosscn, sodann zeigte er ihnen die goldene Kette der Verheißungen, die sich durch das ganze Alte Testament hindurchzieht, und zuletzt predigte er ihnen frank und frei das süße und trostreiche Evangelium Jesu Christi. Er durfte über 6 Stunden lang fast ohne Unterbrechung und ohne Störung von der Gnade Gottes in Christo Jesu zeugen und reden. Er öffnete seine hebräische Bibel und begann mit dem Urevangelium (1. Mose 3, 15), sodann fuhr er fort bis zum Maleachi und bewies ihnen aus dem Gesetz, aus den Propheten und Psalmen, daß Jesus von Nazareth der verheißene Messias war, der da kommen sollte zur Zeit des zweiten Tempels, um für die Sünden Israels und der ganzen Menschheit zu leiden, zu sterben und die ganze Welt mit Gott zu versöhnen. Sodann sprach er mit großer Freimüthigkeit und Freudigkeit von der Thatsache der Auferstehung Jesu von den Tobten, von der Ausgießung des heiligen Geistes und von der Gründung der ersten Kirche aus Juden und Heiden. Sie schienen Alle sehr gerührt und erbaut; die alte Mutter wischte sich oft die nassen Augen, und die Schwestern stießen manchen Seufzer aus: „Herr der Welt (Ribono schel Olam), du weißt Alles!" — Oder: „Herr der Welt, wo hat unser l. N. dies Alles gelernt?" — Aber immer wieder mußte der gläubige Sohn von seinen Zuhörern die alte Einwendung hören: „Warum glauben cs unsere Rabbiner und Lehrer nicht? Und warum will dein greiser Vater, an den du so oft darüber geschrieben, daran nicht glauben? Wenn der Messias schon im Gan Eden (Paradies) zur Rechten der Majestät in der Höhe sitzt, warum läßt er sein Volk Israel im Exil schmachten? Warum bekehrt er nicht die Juden und die ganze Welt mit Gewalt?" Auch diese Fragen wurden mit der hebräischen Bibel in der Hand beantwortet. Aber ihre Herzen wurden dadurch freilich noch nicht bekehrt, denn das bleibt ein Werk des heiligen Geistes. Am Ende dieses wichtigen Tages und zum Schluß dieser nächtlichen Zusammenkunft und Unterhaltung und nach dem Genuß