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Dibre Emeth · 1876-01-01 · 1-2 (1876) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
32 (1876)
Issue
1-2 (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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27 (Denkzettel, Phylakteria) noch habe und beim Gebet gebrauche? Die zweite Schwester: „Sind in deiner Wohnung an den Thüren nach 5. Mose 6, 9 Mezuzoth (Pfostenamulete) angenagelt?" Die dritte Schwestern „Hast du deinen erstgeborenen Sohn nach 1. Mose 17, 10—14 beschneiden lassen und ihn hernach um 5 Schekel nach 4. Mos. 18, 15. 16 bei einem Cohen (Priester) ausgelöst?" Ein Schwager: „Feierst du mit deiner Familie den heil. Sabbath?" Der zweite Schwager: „Beobachtest du noch alle Gesetze über die Speisen, die Adonai, der Herr, uns durch Moses verboten hat, zu genießen?" Ein Verwandter fragte sogar: „Trägst du auch, wie alle Goim, ein Kreuz mit einem goldenen Abgott auf deinem Herzen?" Mit solchen und mit einem Dutzend ähnlicher Fragen wurde der christliche Sohn von seiner jüdischen Familie überhäuft und gequält. Aber bei der letzten Frage des greisen Verwandten, welcher zu glauben schien, sein Cousin sei katholisch geworden und müsse deswegen ein Kruzifix tragen, empörte sich das evangelische Herz des Geistlichen; er stand daher plötzlich und heftig auf und rief seiner Familie zu: „Meine Lieben, ich merke und sehe, daß ihr mich allen Ernstes für einen thörichten Götzendiener und Apostaten haltet; nun wohlan, ich bitte euch, untersuchet genau, ob ihr bei mir ein Kreuz oder einen Abgott finden werdet! Werdet ihr so Etwas bei mir finden, so dürfet ihr cs vor meinen Augen verbrennen oder vernichten, und dann bleibe ich ganz bei euch; wenn ihr aber nichts Verbotenes bei mir findet, so müsset ihr mir versprechen, mich aufmerksam und geduldig anzuhören, bis ich euch alle eure Fragen beantwortet und den Grund meines Glaubens dargelegt und vertheidigt haben werde." Aus diesen Vorschlag gingen sie Alle auch wirklich ein, und nun wurden alle seine Sachen und Taschen revidirt und untersucht. Aber anstatt eines Kreuzes und Abgottes fanden sie — eine hebräische Bibel und einen hebräischen Psalter! Die Enttäuschung und Ueberraschuug war groß! — Bei einem Meschummed und bei einem Verächter und Uebertreter des göttlichen Gesetzes, ja, bei einem „Komar“ (Götzenpriestcr) das allcrheiligste Buch, die Illora (5 Bücher Mvsis), die Tehilim (Psalmen) und den ganzen Tenach (A. T.) zu finden — haben sie nicht erwartet. — Durch diese unerwartete Entdeckung wurden ihre Herzen empfänglicher und ernst gestimmt, so daß sie zum Zeichen ihrer Zufriedenheit dem christlichen Geistlichen die Hände warm drückten.

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