Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 1-2 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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24 daß sie nie das Kind aus dem Auge verliere, bis es für sich selbst sorgen kann." Bald darauf entschlief er in Jesu. Jahre gingen dahin; das kleine jüdische Mädchen erwuchs zu einem lieben und klugen Mädchen an meiner Seite. Einige Jahre später begleitete sie mich nach Schottland, wo sie ihre letzte Erziehung erhielt. Ich durfte die geliebte Tochter des Rabbi zur Frau heranreifen sehen, ein talentvolles, fein gebildetes Wesen und vor Allem eine treue Christin, später die Frau eines Mannes, der mir in jeder Beziehung meine Arbeit belohnte. Sie lebt jetzt in ihrem eigenen glücklichen Hause und in einem Kreise, den sie als Tochter eines edlen Mannes aus Israel wohl ausfüllt. Und der Knabe? Als ich London erreichte und nach ihm frug, war er nicht mehr hienieden. Der Vater und sein Sohn haben sich oben wicdergefunden. „Für immer beim Herrn" dachte ich, als ich die Trauerknnde hörte." Ein Wiedersehn. (Aus Litlhauen.) Eine ergreifende Scene fand neuerdings auf dem Bahnhof zu B. statt, eine Scene, welche uns einen Blick in eine fromme chasidäische Familie thun läßt, aus welcher ein einziges Mitglied den Gesalbten Jchova's gefunden, den Heiland der Welt liebgewonnen hat und zum Christenthum übergetreten ist. Ein 34jähriger Mann kommt eines Tages mit dem Zuge um 3 Uhr Nachmittags in B. an, er steigt muthig, wenn gleich mit Seufzen, aus dem Waggon, er sieht sich nach allen Seiten um und scheint Jemand zu suchen. Plötzlich erblickt er in einem Winkel des Bahnhofs eine alte, bleiche und tiefbetrübte Frau, welche von vielen Weibern, Kindern und Chasidim umringt ist. Er drängt sich durch den Knäuel der Menschen hindurch und will der alten Frau um den Hals fallen, denn diese gebeugte und bleiche Frau ist seine Mutter, die er seit 14 Jahren nicht gesehen hat. Aber che er dies thun kann, fällt die ehrwürdige Mutter zu den Füßen ihres einzigen Sohnes und benetzt seine Kniee mit einem Strom von Thränen. Der Sohn aber, erschrocken und auch selbst zu Thränen gerührt, hebt seine alte Mutter vom Boden empor, schließt sie in seine Arme und spricht zu ihr: „Friede sei mit dir, geliebte Mutter,