Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 1-2 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 nannten Familie, ein ehrwürdiger Mann von 80 Jahren, die Uebrigen in der Blüthe der Jugend und der Schönheit. Sie waren nach orientalischem Gebrauch in wallende weiße Gewänder gekleidet, die Männer mit Turbanen auf dem Haupte, die Frauen lange Schleier tragend, die über den Kopf geschlagen waren und bis auf den Boden reichten; ihr erster Freund stand in ihrer Nähe, um ihnen die Worte des N. T. zu übersetzen. Die Juden in Kalkutta sprechen gewöhnlich Arabisch, und außer ihnen kennen dasselbe nur Wenige; dieser Gelehrte konnte ihnen Alles trefflich übersetzen. Der Geistliche richtete an sie die üblichen Fragen, die wohl beantwortet wurden, dann folgte Gebet, und hernach kniete das frühere Synagogenhaupt nieder, um den langersehnten Segen zu empfangen; als aber jener alte Vater hervortrat und seinen Turban abnahm, brachte dies einen unbeschreiblich feierlichen Eindruck hervor. Es lag etwas Himmlisches auf diesem Bilde — der schneeweiße Bart ruhte auf seiner Brust, die edlen jüdischen Züge und die erhobenen Augen sprachen die Gefühle der Seele aus. Ich dachte, wenn Gottes altes Volk in seinem zerstreuten Zustande manchmal so viel von der alten Schönheit des Stammes verräth, wie wird es sein, wenn ihre Angesichter daS Licht eines höheren Glaubens in den Tagen ihrer Wiederherstellung wiedcrstrahlen lassen werden. Doch auch des Rabbis kleine Tochter sollte desselben Segens theilhaftig werden- Der Vater, nun ein Kind Gottes, hielt sein Kind der Taufe entgegen; eine Pathe legte auf dasselbe ihr Gelübde, es als christliche Pathe zu erzieh». Wie schwer! nicht die Mutter, der es vor Allem zukam, sondern eine Fremde aus fernem Lande mußte dies Amt übernehmen, und nie (die Mitteilung stammt von der Pathin selbst) wachte ein Armer über seinem gesammelten Schatz mit so anhaltender Freude, als mir dieselbe in der Sorge und Erziehung jenes jüdischen Kindes, des lichtesten Edelsteines unter vielen anderen, zu Theil ward. Doch des Rabbis Sohn war noch abwesend; dies erregte keine kleine Bewegung in der Stadt. Obrigkeit und Polizei waren geschäftig, seinen Versteck aufzufinden. Einige Wochen suchten sie vergeblich; zuletzt aber fand man ihn in Patna und brachte ihn nach Kalkutta zurück. Es erfolgte eine überaus traurige Scene. Am nächsten Tage waren alle Parteien im Gerichtshöfe versammelt. Auch die Frau des Rabbi kam, wie mit eisernen Fingern ihren