Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 1-2 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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erforschen. Der Rabbi, welcher zuerst den Messias erkennen durfte, sollte auch zuerst Verfolgung erleiden. Er hatte sich längst entschlossen, Alles zu verlassen und Christo zu folgen. Was konnte nun den ferneren Lauf dieses Mannes Gottes noch aufhalten? Sein geliebtes Weib wollte nicht auf die Einladung des Evangeliums hören. Vergeblich versuchte er die arme Frau zu überreden, ihr Loos mit dem der kleinen Schaar der Gläubigen zu vereinigen; vergeblich sehnte er sich danach, die Gefährtin seiner früheren Jahre und die Mutter seiner beiden geliebten Kinder nach sich zu ziehn. Weder die Drohung noch die Furcht, daß eine Scheidung erfolgen könnte, bewegte sie. Gegen die Stimme des Ehegatten und gegen das Geschrei ihrer Kinder gleich taub, floh sie in höchster Erregung in das Haus ihrer jüdischen Eltern, die ebenso bigot und ebenso voll flammenden Hasses gegen diese wahren Israeliten waren. Nun begannen die schwersten Prüfungen, bald in gewinnender, bald in versucherischer, bald auch in drohender Form; hauptsächlich wollte man ein öffentliches Glaubensbekenntniß verhindern, weil dasselbe zum weiteren Forschen unter den Juden in der Synagoge führen könnte. Deshalb war es von höchster Wichtigkeit, einen Zaun aufzurichten, um, wenn nicht Alle, so doch einige aus dem Kreise und besonders den Rabbi zu verhindern, den entscheidenden Schritt zu thun. Sv lange sie allein forschten, blieb die Hoffnung, daß selbst in der elften Stunde die häuslichen Bande wieder sie zurückführen möchten. Aber man verzichtete auf die Heimath, die Synagoge und seine Geliebten, um Jesu zu folgen. Alle hatten ihrem Meister ein Kreuz nachzutragen, der Rabbi aber mußte in einen siebenmal geheizten Ofen. Allerdings blieb er nicht allein, sondern es begleiteten ihn einige Brüder: ein alter Jude, dessen Schwiegersohn und seine Töchter. Sv blieb wenigstens ein Familienkreis unzerrissen. Ihrem Führer aber ging es nicht in derselben Weise, sondern für ihn gab es zuletzt einen Riß. Eines Abends nach Sonnenuntergang wanderte, nachdem Alles für ihren Abzug vorbereitet war, der Rabbi, ein kleines Mädchen in seinen Armen und an seiner Seite einen hübschen Knaben von noch nicht 4 Jahren führend, fort; ihm folgte jener abrahamische Vater mit seiner Familie. In Kalkutta, wie in andern Städten des Ostens, bewohnen die verschiedenen Glaubensbekenntnisse ihre besonderen Quartiere; und wenn man einen Bekehrten entdeckt, so ist es mit der Sicher-