Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 1-2 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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19 Ein Rabbi in Lalkntta. In einem englischen Blatte „Sunday at Home“ erzählt eine Dame, M. 8., folgendes eigenes Erlebniß aus der Zeit ihres Aufenthalts in dein ostindischen Kalkutta, welches ein gar köstliches Gegenstück zu den vorher vernommenen „Stimmen der Lehrer im heutigen Israel" bildet. „Ein christlicher Herr von hoher Stellung und bedeutender orientalischer Gelehrsamkeit hatte den Hauptrabbiner der Synagoge gewonnen, ihm das N. T. in's Hindi zu übersetzen. Das brachte einen regen Verkehr zwischen den Beiden zu Wege. Monate gingen in dieser Weise dahin, bis der Same des Wortes in einem Herzen, das für die Aufnahme desselben wohl zubereitet war, Wurzel faßte. In der Stille prägte der h. Geist die seligmachende Wahrheit dem Herzen dieses jüdischen Priesters ein, da er täglich in der Schrift zu forschen fortfuhr. Allmählig drang das Licht in seine erwachende Seele ein> die nun wohl gerüstet war, die Vollkommenheit und Schönheit der evangelischen Geschichte zu würdigen, bis ihm die Sonne der Gerechtigkeit in ihrem vollen Glanze aufging und alle die Dunkelheit und Nebel vertrieb, so daß er sich innerlich genöthigt sah, einigen seiner Brüder zu erklären: er habe den Messias gefunden. In stiller Mitternachtsstunde, wenn Alles schwieg, versammelten sich der Rabbi und seine Freunde, denen er das Geheimniß entdeckt hatte, mit einander, um die wunderbare neue Geschichte des Evangeliums zu hören und zu lesen. Einer nach dem Andern fügte, von der Wahrheit in Jesu überzeugt, sein einfaches, aber gewisses Zeugniß hinzu, daß Jesus der Messias sei. Nachdem sie lange unter Gebet erwogen, wie sie ihren Gemüthszustand am Besten entdecken könnten, beschlossen sie, mit jenem Herrn in Verbindung zu treten, der das Werkzeug geworden war, sie in das Buch der Bücher einzuführen. Sobald derselbe aber von dem Stande der Dinge unterrichtet war, berieth er sich mit einigen befreundeten Missionaren, die sich vereinigten, jene jüdischen Freunde im Christenthume zu unterweisen und ihnen auf mancherlei Weise behilflich zu sein. So machten sie denn auch auf dem Wege, den sie nun offen betraten, schnelle Fortschritte. Die Zeit der Taufe war nahe, als eine Wolke aufzog — ein Trübsalstag der Proben und der Prüfung, ihren Glauben zu 2*