Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 1-2 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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WWMÜNWPWM-!»- 17 Frankreich, in Rußland, im Orient und in Amerika. Es scheint, wie wenn Alles aus den Fugen gehn wollte. Wenn man sieht, wie Sabbathe und Festtage, Speise und Reinheitsgesetze und alle anderen Gebote Gottes entweiht und verletzt werden allüberall und täglich mehr — da wäre cs schier zum Verzweifeln, wenn uns die Geschichte nicht Trost böte. Und wir besitzen auch noch unerfüllte Verheißungen, und das feste Vertrauen, daß Gott sie erfüllen wird, läßt uns ruhig der Zukunft entgegengehen." „Es ist aber nicht wahr, daß zwischen orthodoxen und reformistischen Juden höchstens kultuelle Unterschiede walten. Ist nicht ein unendlich weiter Unterschied zwischen einer orthodoxen Gemeinde, die auf Thora, Awodah und Gemiluth Chassidim, d. h. auf das Gottesgesetz, den Gottesdienst und die werkthätige Menschenliebe, diesen drei Grundsäulen des Judenthums, basirt, die Erfüllung, Erhaltung und Förderung des Gottesgesetzes sich zur Aufgabe macht — und einer reformistischen, die wohl das Letztere, die werkthätige Menschenliebe, einige Reste des Zweiten, des Gottesdienstes noch kultivirt, das Erste, die Gotteslehre (nach den Satzungen des Talmud) aber gänzlich ans ihrem Pflichtencodex gestrichen? Die Reformer nennen das Christenthum einen idealen Begriff, leider ist das Judenthum für viele Juden ein idealer Begriff geworden, die Idee eines höchsten Wesens oder gar nur einer höchsten Kraft." „Wenn der Unterschied der Konfessionen in der Verschiedenheit der Dogmen besteht, so ist keine Konfession von der andern weiter entfernt als der strenggläubige Jude von dem reformistischen, und eben daher muß der Gemeindezwang, welcher alle Juden mit Gewalt zusammenhält, beseitigt werden." Es sei entwürdigend, wird orthvdoxerseits den Reformern gegenüber oft bezeugt, die Einheit und Gemeinschaft des Judenthums in dem zu suchen, worin es dieselben gegenwärtig allein noch festhalten wollen; „in dem gemeinsamen Geldbeutel" Welche Gedanken aber die Chasidim über ihre Partei haben, darüber berichtet die Nr. 7 u. 8 1875 unserer Zeitschrift Näher es Wir wiederholen hier nur kurz, was dort weiter ausgeführt worden ist. Die Chasidim (Frommen) haben neben dem Talmud den Sohar und die Geheimlehre desselben als Ergänzung gestellt, weil ihnen der Talmud nicht die hinreichende innere Befriedigung gewährt und es ihnen unmöglich erscheint, allein mit den Waffen desselben die Sache des Judenthums behaupten zu 2