Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 1-2 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Dennoch ist selbst Philippson mit seiner Partei nicht ganz zufrieden. Sein Blatt zählt verschiedene Schäden derselben auf. Wir lesen daselbst sogar das Geständniß: „Unter uns gesagt, die früheren talmudischen Juden verstanden sich besser auf die Pflege der geistigen Bestrebungen als wir. Sie wußten aus der Pflege des Geistes eine religiöse Pflicht zu machen, während wir nur zum Verstände zu sprechen trachten. Der Verstand aber ist sehr schwach dem Leben und den Begierden gegenüber." „Fragen wir: Welches ist denn in den Juden der Gegenwart, im mittleren und westlichen Europa, namentlich der jetzt ausgewachsenen Generation das Fundament ihrer Religion? Es besteht in ihnen eine allgemeine Kenntniß der jüdischen Lehre; sie kennen wohl die höchsten Grundsätze, um die es sich im Judenthum handelt im Unterschiede von andern Religionen, und bekennen sich so immerhin mit Recht zum Judenthum. Aber wir stoßen auf eine so erschreckende Unkenntniß der heiligen Schrift (A. T.), auf einen solchen Mangel an Vertrautheit mit dem Inhalt derselben, daß wir nicht mehr zu sagen vermögen: Die heilige Schrift ist das Fundament ihrer religiösen Ueberzcugung." Aber die Frage: „Was thut Roth in unserer Zeit?" beantwortet derselbe Lehrer in Israel dann doch schließlich also: „In der Tiefe unseres natürlichen Verstandes und unseres wahren und warmen Gefühles und auf dem Boden der geschichtlichen Entwickelung müssen wir den festen Grund für unsere Ueberzeuguug suchen und finden, auf diesem Grunde an der Hand der geklärten Ueberlieferung aus den Jahrtausenden müssen wir unsere Ueberzeuguug feststellen und in Gemäßheit unseres Bewußtseins und tiefen Empfindens gestalten." Hiergegen erheben sich nun aber höchst erregt die Stimmführer der neueren Orthodoxie und werben um die Herzen ihres Volkes in ganz anderer Weise. Der „Israelit" schreibt: „Die Weltgeschichte ist in unserer Zeit — nicht ohne die Mitwirkung der zerstreuten Lämmerheerde Israels — an der dritten großen Kulturepoche angelangt, und wie noch jedesmal eine solche Epoche unserem Volke die größten Gefahren gebracht hat, so ist auch die Gegenwart für das Judenthum eine Zeit schwerdrohender Ereignisse. Noch vor hundert Jahren gab es fast nur glaubensstarke und gesetzestreue Juden und Jüdinnen — und heute? Abfall und Sünde überall; in Deutschland, in Holland, in England, in