Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 1-2 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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IS „Die Tendenz und der Charakter aber, welchen die jüdische Gesammtheit in allen Wandelungen erwiesen hat, bürgen dafür, daß die neu entstandenen Risse durchaus nicht tief und nicht weit gehn, eine schroffe Sektenbildung nicht eintreten und, wo sie etwa zum Vorschein käme, bald wieder überwunden sein wird." „Wie aber einmal unsere Zeit beschaffen ist, wo so Viele, wenn man es ihnen allzuschwer machteiner bestimmten Konfession anzugehören sich nicht gedrungen fühlen, müssen wir unsrerseits den alten jüdischen Satz Hochhalten, daß man alles Mögliche anzuwenden habe und daß es von höchstem Verdienste ist, eine jüdische Seele zu retten, d. h> dem Judenthmne zu erhalten." „Es ist Zeit, daß der Geist wahrhafter Religiosität und Bruderliebe wieder erwache, der weiß, daß es überhaupt keine Religion ist, wenn man seinen Nebenmenschen abstehen und verkümmern läßt. Es wird daher vor Allem nöthig sein, finanzielle und religiös-ceremonielle Bedingungen genau zu unterscheiden und als Gemeinde nur solche finanzieller Natur zu stellen. Nur Vereine ganz privater Natur und mit ganz besonderen Zwecken können andere Bedingungen als finanzielle für ihre Mitgliedschaft festsetzen. Eine Religivnsgemeinde ist für alle Bekenner dieser Religion da, welchen Standpunkt diese auch hinsichtlich der Uebung der religiösen Vorschriften einnehmen mögen; so gut wie sie den Dieb und den Mörder von der Benutzung ihrer Anstalten nicht ausschließen darf, ebensowenig steht ihr ein Ausschließungsrecht bei der Uebertretung irgend welcher religiösen Vorschriften zu, so lange sich nicht Jemand von der Religion in gesetzlicher Weise losgesagt hat." Von ähnlichen Anschauungen geleitet, hat der deutsch-israelitische Gemeindetag in Leipzig beschlossen, dem preußischen Ministerium und dem preußischen Landtage eine Resolution mitzutheilen, welche ausspricht, daß es im Judenthmne verschiedene Konfessionen nicht gebe, darum die auf Trennung der Gemeinde wegen konfessioneller Bedenken gerichteten Bestrebungen ungerechtfertigt und nur ein Vorwand seien für Gleichgültige, sich von der Gemeinde zu trennen. Nur Richtungen, so predigt auch die „Allg. Zeitung des Judenthums" fortwährend ihren Lesern, giebt es im Judenthume, und preist es, daß z. B. auf dem Breslauer Rabbiner-Seminare durch die fünf Dozenten desselben auch fünf verschiedene Richtungen vertreten und zu einträchtigem Wirken mit einander verbunden gewesen wären.