Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 1-2 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Wenn diese in konservativer Weise nützlich wirkt, so ist sie hingegen schädlich, weil sie alle Mittel der innern Ausbildung und Wiederbelebung schmäht und den Ausbau des Lehr- und Gedankeninhglts des Judenthums, welcher dessen kräftigste Stütze für die Zukunft sein wird, hintenansetzt. Bon hier aus nimmt die eigentliche Reformpartei einen weiten Raum ein, die sich jener veränderten Anschauung prinzipiell bewußt ist, sich dadurch durchaus nicht im Gegensatz zum geschichtlichen Judenthum weiß, vielmehr dieses von ihrem Standpunkte aus durchdringen und sich ihm als eine abermalige Phase des Judenthums anschließcn will, wie die Entwickelung sie gebieterisch mit sich gebracht. Erst am äußersten Flügel derselben finden sich vereinzelte Radikalreformer, welche einen konzentrircnden Einfluß für sich zu gewinnen noch nicht vermochten." „Dennoch würden wir das Bild, das wir entworfen, unvollständig lassen, wenn wir nicht auch einer entgegengesetzten Richtung erwähnten. In den östlichen Ländern Europas, in Polen, Rußland, Galizien, Ungarn und Rumänien breitete sich der Chasidismus unter der jüdischen Volksmasse aus. Er ist ein entarteter Nachfolger der Kabbalah, eine populäre Mystik, welche im rohesten Wunderglauben des Volkes ihren Boden hat, den sie fruchtbar für die Rebbes, verderblich und aussaugend für das Volk bearbeitet, um so verderblicher, als sie sich mit dem häufigen und übermäßigen Genuß von Spirituosen verbindet. Dieser Chasidismus ist der talmudischen Orthodoxie feindlich, denn er setzt an die Stelle des Talmud den Sohar und andere kabbalistische Schriften, verspottet die talmudische Gelehrsamkeit und hält sich an die Wunderkraft der unwissenden Rebbes. Jeden Fuß Boden, den er für sich gewinnt, raubt er der talmudischen Orthodoxie, und diese ist so gealtert, daß fix es sich ruhig gefallen läßt, ohne den Gegner irgend nachdrücklich zu bekämpfen. Das Glück ist, daß es dem Chasidismus an allem hierarchisch organisirenden Geschick gebricht, und daß jeder einzelne Rebbe nur für seine eigene Autorität wirkt. Hieraus entspringt, daß der Kampf mit dem Chasidismus durchaus kein schwieriger sein wird, da er mit der Einführung einer tüchtigen Volksbildung welken und absterben wird. Hieraus ersieht man eben, warum die dortige Orthodoxie ihm nicht überlegen sein kann, da auch sie eine tüchtige Volksschulbildung verschmäht, ihr also die rechte Waffe gegen den Aber- und Wunderglauben fehlt."