Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 1-2 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554828-2554830--06502-2562490- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
13 Wissens ihren Werth und ihre bindende Kraft erhalten, ... so daß nur der eine strafbare Handlung begeht, der gegen sein Gewissen und seine Ueberzeugung handelt, und ein Jeder auch hinsichtlich der Satzungen seinen Ueberzeugungen und seinem Gewissen nach zu verfahren habe... Diese Anschauung unterwarf die überlieferten Vorschriften der Kritik der Ueberzeugung und den Strömungen des Gewissens; sie machte die Formen des religiösen Lebens wieder flüssig, nachdem sie lange Zeiten in unveränderlicher Gestalt bestanden hatten, entkleidete sie zwar der zweifellosen Autorität, suchte sie aber mit neuem religiös-sittlichem Werthe zu erfüllen. So kam es zu den Kultusreformen. Dieselben aber wurden der Anstoß, daß dieser Entwickelung gegenüber die Orthodoxie sich regte und allmählich eine Parteibildung anstrebte. Doch erst im letzten Jahrzehnt schlossen sich die Orthodoxen als eine Oppositionspartei in denjenigen Ländern enger zusammen, wo jene Reform entschiedenere Schritte that. Man wollte orthodoxe Gemeinden reformistisch gesinnten gegenüberstellen, oder meistens innerhalb einer Gemeinde einen Bruch erwirken und getrennte Gemeinden bilden. Es ist dies bis jetzt vielfach in Ungarn, nur noch wenig in Deutschland gelungen. Man will deshalb überall den gesetzlichen Gemeindeverband beseitigen. Die Presse befördert das Bewußtsein des Gegensatzes, der vorhanden ist. Die alte, aufrichtige Orthodoxie besitzt wenig Kampflust und bleibt ruhig in ihrem Besitz da, wo sie darin nicht gestört wird." „Die Neuorthodoxen, und an ihrer Spitze die Herren Hildesheimer (Berlin) und Genossen, beabsichtigen eine talmudisch-rabbinische Gelehrsamkeit auf die tresene klassische Gelehrsamkeit zu pftopfen. Daraus kann aber nur ein unglückliches Zwitterwesen hervorgehn, das, wie es bereits vorgekonimen, von den Jüngern selbst nach mancherlei schmerzlichen Kämpfen überwunden und abgeworfen wird... Die Neuorthodoxie, welche also wesentliche Momente der Bildung sich angeeignet hat, ohne dies wissen zu wollen, und daher der eigentlichen Orthodoxie schon ftemd geworden, ist nicht allein voll Streitlust, sondern scheut auch keine Mittel." „Dieser zunächst steht eine Mittelpartei, welche sich vorzugsweise die geschichtliche nennt (Partei des Breslauer Rabbiner- Seminars). Sie hat weder ein bestimmtes Prinzip noch Programm; sie hält sich an die Geschichte, klammert sich an das Bestehende, um es aufzugeben, wenn es nicht mehr gehalten werden kann.