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Dibre Emeth · 1876-01-01 · 1-2 (1876) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
32 (1876)
Issue
1-2 (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 ganz und voll zu erfassen, so daß ein klares, bestimmtes Verhältniß zwischen Gott und Menschen stattfindct, eine bestimmte, klare Aufgabe (und nicht die ewig unklare bloße Vervollkommnung) ihm gestellt, nach bestimmten, klaren Gesetzen sein Leben sich regeln muß, so daß er bestimmt und klar weiß, wo und in welcher Richtung die Vervollkommnung anznstrebcn ist." „Allerdings die übrige Menschheit hätte mit der reinen Gottesidce, welche sie durch Anerkennung der sog. sieben noachidischcn Gebote bewahrt hätte, den Standpunkt eingenommen, welcher allein des Menschen würdig ist. Sicherlich hätte auch, der Jude, vom allgemeinen Standpunkte aus betrachtet, seine Aufgabe, so gut wie die übrigen Menschen, ohne weitere und speziellere Gebote erfüllen können. Aber allein diese Gesetze konnten ihm seine besondere Eigenschaft bewahren und schützen: ein Gottesvolk zu sein, ein Volk, das sich zur Lebensaufgabe gestellt hat, den reinen Gottesbegriff für alle Geschlechter zu erhalten. Es läßt sich auch nicht leugnen, daß das jüdische Volk diese seine Aufgabe voll erfaßt und sich bestrebt hat, sie auch zu erfüllen. Zugleich sagt das Jndcnthum, nicht, daß jeder Mensch Jude sein müsse, sondern daß diejenigen, die als Juden geboren und darum dem Judenthume angehören, sich den jüdischen Gesetzen fügen und unterordnen niüsseu. Zumal da die noachidischen Gebote so selten von den andern Menschen erfüllt worden sind, sollten die Nachkommen Abrahams wenigstens durch das Gottesgesetz geschützt werden, um der ganzen Welt diese größte Wahrheit von der Einheit Gottes, von seiner Schöpfung und seiner Weltlenkung zu erhalten. Diese Gesetze haben denn auch aus ihren Geist und ihr Gemüth einen wunderbar veredelnden Einstuß geübt; sie haben ihnen auch das Bewußtsein verlieh», das Leben nach seiner würdigsten und wahrsten Bedeutung zu führen, ein Leben nach den Gesetzen der ewigen und einzigen Wahrheit.. Begreifen wir also auch einzelne Gesetze nicht, so begreifen wir dennoch und sehn deren Wirkungen: die ursprüngliche Gestalt des jüdischen Volkes, in der es sich uns heute noch repräsentirt. Abfall von diesen Gesetzen dagegen bedeutete stets geistigen und sittlichen Verfall.. Die bloße Idee des Judenthums, welche im Festhalten des jüdischen Gottesbegriffs bestehen soll, ist dagegen eine Phrase, welche den neueren Ideen gegenüber nicht Stand halten kann, die gerade für den Vernunftgläubigen das Gefährliche und Verlockende haben, daß sie die

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