Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 1-2 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 der Vernunft und der vieltausendjährigcn Geistesarbeit der Menschheit widerstrebenden Glaubenssätze und Philosopheme in extremster Weise aufgestellt werden, sichern dem Judenthume eine bedeutende Zukunft für seine Bekenner sowohl, als auch für die gesammte ringende Menschheit; ebenso, wie mitten unter allen diesen Wirren schließlich das Judenthum allein einen Gedankeninhalt darbietet, der mit der Geschichte der Menschheit, mit dem Verstände und dem Herzen übereinstimmt. Wir können es aber unserer Glaubensgenossenschaft nur nachsagen, daß sie das letzte halbe' Jahrhundert in großem und rühmlichem Maße verwendet und bedeutende Schritte auf dem Wege des Geistes gethan hat." „Das Judenthum mußte sich nun aber wohl stets aufgefordert fühlen, durch seinen Bestand, durch die offene Verkündigung seiner Lehren und durch die Verbreitung seiner Schriften die Wahrheit derselben erkennbar zu machen und zu bezeugen; aber es kann weder seinen Bestand noch das unbedingte Heil der Menschen in dem offenen Uebertritt Seitens immer mehrerer Personen erblicken. Je mehr der Lehrinhalt des Judenthums auf die Allgemeinheit des Menschengeschlechts und auf dessen fortschreitende Geistesentwickelung in Anschauung und Sittlichkeit gerichtet ist, desto weniger kann es ihm obliegen, hier und da eine kleine Anzahl Individuen mehr zu seinen formellen Einrichtungen herüberzuziehen." „Nachdem aber der jüdische Stamm täglich wiederholt hat: Einst kommt die Zeit, wo die ganze Menschheit den einzigen Gott erkennt und anbetet und dem sozialen und sittlichen Gesetze dieses einzigen Gottes Gehorsam leistet in Recht, Frieden und Liebe . ., kann man beim Blick auf die Gegenwart auch sagen, daß die Gotteserkenntniß bei zahllosen Menschen eine festere Gestalt gewonnen und den verdunkelnden Kirchenglauben abgestreist hat." In ähnlicher Weise werden die Neuorthodoxen über das Wesen des Judenthums unterrichtet, nur daß hierbei zugleich das orthodoxe Gewand für dasselbe als nothwendig festgehalten wird. Der „Israelit" von Lehmann schreibt: „Die Behauptung, daß das Judenthum nur in seiner Gottesidee beruhe, ist nicht begründet... Zwar die weltgeschichtliche Mission Israels ist es, die Einheit Gottes des Ewigen, Allmächtigen und Unerforschlichen allen Völkern zu verkündigen ..., aber,, der bloße Besitz der richtigen Gottesidee nützt nichts, wenn nicht die Aufgabe des Menschen darin gipfelt, sie auch