Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 1-2 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 7 ganze Menschenwelt... Diesen Theil seiner Mission erfüllt es noch heute, und in dem großen Entwickelungsprozeß unserer Zeit ist es damit mehr, als seit vielen Jahrhunderten, hervorgetreten oder vielmehr durch die Verhältnisse hervorgezogen worden. Es wird dafür von Neuem mit Feindschaft und Gehässigkeit überfluthet, aber auch diesem Geschicke steht es mit Festigkeit entgegen. Daß cs hierin trotz der Schwäche seiner zersplitterten Gruppen für das allgemeine Kulturleben von Wichtigkeit und Einfluß ist, braucht nicht auseinandergesetzt zu werden. Es geht daraus von selbst hervor, wie falsch und thöricht jene oft gehörte Bezeichnung der Juden als Mumien, Ruinen, Gespenster, Schmarotzerpflanzen u. dgl. ist." „Aber es liegt auch in der Sache, daß die Juden, nachdem sie durch die Zerstreuung mitten in die allgemeine Völkerwelt versetzt waren, neben dieser großen geistigen Mission auch andere Aufgaben, die mehr in das materielle und reale Leben eingreisen, daß sie im Verkehr der Völker untereinander eine Vermittlerrolle überkamen. Ohne Grundbesitz, ohne Antheil an der örtlichen Industrie, dabei durch Religion, Abstammung und gleiches Schicksal in einer gewissen Verbindung unter einander erhalten, von den Völkern ausgeschlossen und doch an diese gekettet, waren sie Jahrhunderte lang die Träger des Verkehrs zwischen den nahen und entfernten Völkern, die sich sonst nur an ihren Grenzen berührten; waren sie durch eine lange Periode, in welcher der Handel vom feudalen Adel verachtet und vom leibeigenen Volke gar nicht auszuüben war, die Vermittler des Waarenaustausches und damit auch des Geldverkehrs im Großen und Kleinen. Man sollte meinen, daß eine solche Mission in unsrer Zeit völlig gewürdigt und der Jude des Mittelalters nicht mehr so mißachtet werde, wie gewöhnlich geschieht. In der neuesten Zeit siel den Juden auch die besondere Mission zu, das Prinzip der Gleichberechtigung im Staate, besonders auch aus dem konfessionellen Gesichtspunkte, verwirklichen zu helfen." „Gerade in der Gegenwart ist der Geist des Judenthums erwacht, entfaltet sich kräftig, ist wirksam und seiner bewußt geworden, seiner Geschichte und seiner Mission für seine Bekenner wie für die Menschheit." „Und gerade die Kämpfe, die auf religionsphilosophischem, kirchlichem und religiösem Felde mit immer größerer Heftigkeit und Entschiedenheit geführt werden, gerade die Gegensätze, die überall hervortreten, die Nacktheit, mit welcher die