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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 11-12 (1875) · page 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
11-12 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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wenn sie gleich alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein" (Psalm 92, 15). „Ja, — erwiderte er, während ein tiefer Ernst sich auf sein Gesicht lagerte — ja, das ist von dem Gerechten gesagt; ich aber muß beten: Herr, gedenke nicht der Missethat meiner Jugend und meiner Ucbcrtrctung!" — „Gedenke aber meiner nach Deiner großen Barmherzigkeit", fuhr ich fort. Er nickte znstimmend und sprach: „Ja, ja, Er ist gnädig und barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue, darum bitte ich auch täglich: Herr, verwirf mich nicht vor Deinem Angesicht und nimm Deinen heil. Geist-nicht von mir; verwirf mich nicht zur Zeit des Alters, wenn meine Kräfte sich erschöpfen, verlaß mich nicht!" „Erzähle mir nun, mein Sohn, wie cs Dir erging, seitdem ich Dich nicht sah." „Bon Herzen gerne, Rabbi" — erwiderte ich — „aber nur mit der einen Bitte, daß Sie sich dabei ganz ruhig verhalten möchten, denn ich darf Sie mit der Geschichte meines vielbewegten Lebens nicht anfregcn." Er versprach es und schloß die Augen. Ich erzählte ihm nun die wunderbaren Wege Gottes, auf welchen er mich geführt, die inner» Kämpfe meiner Seele als jüdischer Rabbiner, dann, wie es allmählig in mir licht wurde u. s. w. bis zu meinem Uebertritt zum Christenthum. Ich citirte die messianischen Stellen ans dem Alten Testamente mit Hinweisung auf die verfälschten Erklärungen des Talmud, der Midraschim und der Kabbala zu diesen so klaren Gottesworten. Ferner wies ich aus den Heilsplan Gottes hin nach den Verheißungen und Erfüllungen und auf die weltumgestaltcnde Wirkung, die das Evangelium vom Kreuze bei den meisten Heidenvölkeru bereits hervorgerufen hat, während Israel, seitdem cs den Gesalbten Gottes von sich gestoßen, wie unter dem Banne Gottes friedlos umhcrirrt, ohne Vaterland und König, ohne Tempel und Opfer, ohne Priester und Propheten. Noch hielt der Kranke immer die Augen geschlossen und schien ruhig zu sein. Als ich aber den Namen „Jesus der Gekreuzigte, das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt" aussprach, da zuckte cö wunderbar in seinem blassen Gesichte. Und als ich ihm von der Liebe GottcS in Christo sprach, von dem ewigen Hohenpriester, der heute noch wie damals für seine Brüder betet: Vater, vergicb ihnen; als ich die Versicherung hinzufügtc, daß Er seinen ewigen Bund mit Israel noch immer festhält, und ihm von dem alten Simeon im Tempel erzählte, der beim Anblick dieses Kindes sprach: „Herr,

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