Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 11-12 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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170 auszunützcn. Glänzender hat sich daher auch in den früheren Jahrhunderten die Lage der Juden kaum irgendwo gestaltet, und, äußerlich betrachtet, hatten sie allen Grund, vollkommen zufrieden zu sein. Dennoch fühlten sich sehr viele unter den so vom scheinbaren Gliick Begünstigten durchaus nicht wahrhaft befriedigt. Die blühende maurische Kultur und die uneingeschränkte Betheiligung an derselben, die materielle Sicherheit und der hohe Wohlstand, welche ihnen zugefallcn waren, alle Bildung und Ehren vermochten durchaus nicht das tiefere Sehnen der Herzen zu stillen. Die i religiöse Freiheit und die lebhafte Bewegung, welche auf religiösem Gebiete zu Tage trat, und der Bund zumal, welchen Dichtkunst und Philosophie mit dem talmudischcn Glauben geschlossen hatten, verliehen dein spanisch-maurischen Judenthum ein Gepräge, vor dein schon inanchcr Kulturfrcund mit besonderem Wohlgefallen stille gestanden hat. Selbst unser modernes Judcnthum ist vielfach geneigt, jener Erscheinung auf dem jüdischen Gebiete die Palme auch noch vor der Gegenwart darznreichcn. Und dennoch, wie gesagt, ließ sich das schmerzliche Gefühl nach einem Besseren und die Sehnsucht, eine Stufe zu erreichen, die zu einem höheren Ziele führte, gerade bei den Edelsten dieser Inden nicht unterdrücken. Der Messias, der persönliche Messias mü> das Mcssiasreich waren trotz aller Herrlichkeit des Augenblicks die Hoffnung und sogar das stets gesteigerte' Verlangen Vieler geblieben. Eben dieser Zustand der Herzen erklärt nun auch die folgenden geschichtlichen Thatsachen, über die allerdings bereits ältere Aufzeichnungen vorliegen, die gegenwärtig aber Dr. A. Harkavy in der Russischen Revue 1875, Heft 1, nach einer im Besitze des verstorbenen Oberrabinerö der Karaiten in der Krim, A. Firkowitsch, Vorgefundenen Handschrift wesentlich ergänzt hat. Vorausgeschickt zur Erklärung des Folgenden seien nur einige historische Notizen. Im 10. Jahrhundert breitete sich am Kaukasus, in der Krim, am Don und an der Wolga das mächtige Reich der Chasaren aus. Einige Zeit hindurch der Schrecken der arabischen Chalifen im Süden, und der Russen im Norden und Westen, zählte es, sowohl durch die Größe seines Ländergebietes, als durch die kriegerische Kraft seiner Bewohner, fast zu den Großmächten der damaligen Welt. Doch hatte es, wie so viele jener halbbarbarischen Reiche, keinen langen Bestand; denn bereits zu Anfang