Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 11-12 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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168 schlimm weiter ausgebildet. Denn in der ganzen Welt wird nun fort und fort Niemand fo oft und von so Vielen vor's Gericht gezogen, als der heilige, gute Gott. Was irgend übel geräth auf Erden, dafür wird er verantwortlich gemacht, sein Regiment muß sich überall beschuldigen lassen, seine Weisheit muß Thorheit, seine Geduld milß Ungerechtigkeit, seine Erziehung muß Härte sein. Oder wo der Einzelne fällt, da kommt am Liebsten statt eines Schuldbekenntnisses die Anklage von seinen Lippen: Warum auch hat mich Gott so geschaffen? warum hat er mir diese Natur und Anlagen gegeben? warum dieses Temperament für mich gewollt? warum diese Schwäche in mich gelegt? warum mich in diese Verhältnisse geführt? warum mich unter solche Menschen gestellt? und wer beschreibt dieses tausendfache „Warum", das ein Mensch Gotte cntgegcnhält, damit er nicht an die eigene Brust schlagen müsse? So ist cs denn nun aber kein Wunder, wenn die Schuld auch auf andere Menschen abgewälzt wird, und wenn der Sinn, welcher nicht einmal Gottes schout, davor nicht zurückschrickt, alles Liebste und Edelste auf Erden mit Gift zu bespritzen, um nur die eigene Gerechtigkeit unversehrt von dannen zu tragen. Männer schieben ihre Schuld auf die Weiber, Eltern auf die Kinder, Reiche auf die Armen, Arbeitende auf die Arbeitgeber, Herrschaften auf die Dienstboten und umgekehrt, ein Stamm auf den andern, eine Nation auf die andere. Römische und Protestanten, Gläubige und Ungläubige, Juden und Heiden und Christen verklagen sich gegenseitig, daß stets der Andere die Schuld trage, wenn cs nicht besser auf Erden zugehe. Oder wenn es damit nicht gelingt, sich von dem Gerichte Gottes zu befreien, dann klagt ein Mensch wohl über die Versuchungen und Verführungen, denen er Widerstand zu leisten außer Stande war, und über die Macht der großen Schlange, des Satans — bis daß er alle eigene Verantwortung auf den Teufel abgewälzt hat. Doch ihren Frieden haben die Sünder über dein Allen nicht wicdergcfunden; Klagen und Anklagen wider Gott, wider. Menschen und wider die Gewalt des bösen Feindes haben ihnen das Leben und Heil nicht zurückgcbracht; sondern der Abend war vielmehr darüber angebrochen, und die Schatten desselben legten sich dunkler und breiter fort und fort über alle ihre Stätten — eine Hülfe ward nicht erfunden. Da, als im Mittagsglanz der Zeiten die Sonne ihren Schein