Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 11-12 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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166 die wachsende bittere Feindschaft der Volks- und selbst der Glaubensgenossen gegen einander, kommt Krieg und Pestilenz, kommen die erschütternden Gerichte, die plötzlich Throne umstoßcn, die Häuser der Reichen wie Kartenhäuser stürzen, Handel und Wandel auf einmal lähmen und diejenigen in Fallen und Stricke gcrathcn lassen, welche sich noch eben jauchzend an die vollen Tafeln eines sicheren Genusses setzen wollten. Wo bist du? fragen diese alle. Und wo bist du? so frägt auch dich, der du dieses Wort hörst und liesest, dein Gott in dieser Stunde; wo bist du vor dem Heiligen und Gewaltigen, dem Richter der Lebendigen und der Todten? II. Wo bist du? Die Antwort auf diese Frage kann Niemand uingehen — und sie bringt früh oder spät ein Menschenherz mindestens zum Eingeständnis; seines traurigen Schicksals. Ach ja, das menschliche Elend und die menschliche Ohnmacht, die menschliche Armuth und die menschliche Blöße finden genug Lippen, welche von ihnen reden, genug Hände, welche sie beschreiben, genug Weise, welche sie klärlich schildern, genug Dichter, welche sie beklagen. Der Bettler so gut wie der, welcher, eine goldene Krone auf dem Haupte tragend, den Jammer deö Menschenlebens erfährt, weiß davon zu reden, und die Welt hallt gerade jetzt, nachdem sie mehr der süßen Früchte dieser Erde als alle Vergangenheit genossen hat, von den bittersten Klagen über das Elend deö Erdendaseins wieder. Aber den Grund dieser Noth, die Sünde und ihre Schuld, wollen so Viele vergessen — und um nur die Sünde mit ihrer Schuld nicht cingestehcn zu müssen, führen sie einen verzweifelten Kamps mit Gott. Gott aber fürchtet sich nicht vor diesen seinen Widersachern, sondern dringt unablässig auf sic mit der Frage ein: „Wer hat dir's gesagt, daß dn nackend bist?" — und will uns also bewegen, daß wir nicht blos klagen und jammern, sondern uns die Wahrheit eingestehen, die wir innerlich wohl fühlen, deren ernstes Zeugnis; wider uns selbst wir aber durch möglichste Erregung unsrer Gefühle zu betäuben und durch laute Klagewortc zu übertönen versucht haben. Und wieder, weil wir selbst uns so gern verkehrte Antworten geben, darum giebt Gott den Sündern sogleich die rechte Antwort auf ihre fernere Lebensbahn mit, und läßt von Alters her durch sein Wort einen Hellen Schein auf alle hochragenden Bäume und in alle Verstecke, unter deren Schutz wir uns zu verbergen suchen, fallen. Denn: „Hast du nicht gegessen von dem Baum,