Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 11-12 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554821-2554827--06456-2562443- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
164 gegentritt, daß er ihn hören müsse, er möge eS wollen oder möge es nicht wollen. Die Angst und Unruhe so vieler Menschen, die tiefe Unbefriedignng, die ihr Leben kennzeichnet, das Jagen und Haschen und Treiben, welches sie unablässig von Einem zum Andern führt, sind der sicherste Beweis, daß sie sich ans der Flucht vor dem Angesichte Gottes befinden, derselbe ihnen aber in den Weg getreten ist, daß er sie zum Stillestehen bringe, auf daß sie ihr Heil nicht für immer verscherzen. Lieber Mensch, wenn du so viel Furcht und Bangen in deiner Seele empfindest, oder wenn dein Herz wie ein Meer geworden ist, da die Stürme fortwährend Wellen erregen, so wisse, das geschiehet, weil das heilige Auge Gottes ans dich geheftet ist und du demselben vergeblich zu entfliehen trachtest! Aber freilich, das sündliche Menschenherz will sich dieser Erkenntniß entschlagen, denn es ist von Natur ein trotziges und verzagtes Ding. Eben deshalb will es sich zuerst am Liebsten vor dem Angesichte dessen, der doch Augen hat wie Feuerflammen, verberge», und versucht es daher auch mit allen Mitteln, ob nicht eins derselben zum Ziele führe. Adam und Eva haben gemeinsam gesündigt, und so suchen sie sich Anfangs nun auch gemeinsam zu schützen. Diesem ihrem Beispiele aber sind danach ihre Kinder gefolgt. Mochten sich die süudlichen Menschen unter einander noch so viel anklagen und widereinander murren, Gotte gegenüber reichten sie sich, so lange es irgend anging, gegenseitig die Hände, um sich dadurch in ihrer bösen Sache vor ihm besser zu sichern. Zu solcher Hülfleistnng verbanden sich die engeren Kreise der Familie und Freundschaft, die weiteren Kreise der verschiedenen Stände und Klassen und die noch weiteren der Rationen und Religionsgemeinschaften, ja eben hierzu scheint allmählig die ganze Menschheit einen einigen Bund in aller Welt schließen zu wollen. Gottes Rath läßt die Menschen in allen diesen Ordnungen sich sammeln, daß sie sich in denselben Gehülfen zum Gehorsam gegen seinen Willen und sein Wort werden möchten, aber ihr Sinn wird hierbei immer mehr ein Sinn gegen seinen heiligen Plan. Die Sünder suchen nun aber vor Allem gemeinsam einen Ort, an dem es ihnen gelingen möchte, sich vor dem heiligen Gott zu verbergen. Adam und Eva fliehen in dieser Hoffnung unter die Bäume des Gartens, deren Schatten sie mit undurchdringlichem