Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 11-12 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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163 Rühmens und Jnbilirens, der Siegesfreude und der stolzen Befriedigung gekommen—aber dieselben dauerten doch nur so lange, bis die Frucht, nach der sich Alles in uns hingestreckt hatte, völlig genossen war. Denn hiernach trat nun eine Zeit der Ermattung und der Abspannung, der Unbcfriedigung und der inneren Leere ein; das Gchcimniß des Glücks, welches wir hinter dem Erdengenuß, dem Erdenwissen und der Erdengröße gesucht, enthüllte sich uns — wir selbst hatten den Schleier zerrissen — aber das Gefundene brachte uns nicht, was uns der Eifer und die Leidenschaft doch so gewiß und bestimmt verheißen hatten. Wir standen nun als die Betrogenen da! Aber als wir so dastanden, merkten wir allmählig Schritte hinter uns Herkommen, und im Herzen rmd Geniüth, in der innersten, verborgensten Stätte der Seele, dem Gewissen, verspürten wir es bald gar deutlich: Das sind die Füße eines Richters, der sich aufgemacht hat, uns zu suchen, ans daß er Rechenschaft von uns fordere. Von draußen lachte uns indeß das Leben vielleicht noch paradiesisch an, und Andere beneideten uns wohl gar, daß wir in einem Garten Gottes wohnen, im Schooßc des Glückes sitzen dürften, uns selbst aber ward es bange und bänger zu Muth im Innersten unsers Herzens. Wir blickten unS überall in diesem Paradiese um, etwas zu finde», das wir verloren hatten, für das uns auch die gesammtc Herrlichkeit rings umher keinen Ersatz mehr zu bieten vermochte, aber wir fanden cs nirgends; dafür jedoch rief uns von all' dem Genossenen und all' dein Gefundenen, von all' dem Erforschten und all' dem Entdeckteil eine Stimme mit itnwidcrftehlicher Macht hinweg und forderte für sich unser Gehör, cs war die Stimme des Gottes, der uns geschaffen, daß wir ihm leben und daß seiner Liebe und Gehorsam, seinem Dienst und Ehre unser Dasein gelten solle. Vor dieser Stimme aber kann zuletzt Niemand entfliehen, er thue, was er wolle, sondern sein Gott und Richter dringt ans ihn ein und dringt bis in die Tiefen seiner Seele, also daß cs ihn im Innersten mit jener Gewalt ergreift, mit welcher der Frost des Winters den bloßen, »»beschützten Leib schüttelt. Und cs kommen für einen jeden Menschen auf seinen Sündenwegen die Abendstunden, in denen ihm derselbe Gott, welcher ihn lauge genug, nachdem er seinem Gebote ungehorsam geworden war, dem eigenen Willen und Gelüsten hat nachgchen lassen, wieder ent- 11»