Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1875-01-01 · 11-12 (1875) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
11-12 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2554821-2554827--06454-2562441
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

WMWW 162 hätten, die Schranke seiner Gebote zu übertreten. Aber nun sind ihre Augen aufgethan, und sie erkennen sich selbst als Betrogene! Still wird cs jetzt um die Eltern unsers Geschlechts, ach, gar zu still nach der Stunde der tiefsten Erregung ihres ganzen Wesens. Aber nicht lange währt diese Stille, da wird dieselbe zuerst zwar leise nur, aber doch den ängstlich lauschenden Ohren der Beiden ganz vernehmlich durchbrochen. Sie hören ein Geräusch wie von nahenden Schritten und sie merken es, das sind die Füße des Gottes, mit dem sie bisher als Kinder verkehrt haben, auf dessen Kommen sie sonst auch mit Kindcssinn geharrt, und dessen Nahen sie jetzt, zum ersten Mal, mit Furcht erfüllt. Die Hitze des Tages ist vergangen; sie ist ebenso verschwunden wie die Hitze der sündlichen Gluth, welche sie inwendig verzehrt hatte. Abcndkühle umfängt die Beiden, aber nicht mit dem gewohnten milden Wehen, sondern also, daß sie unter derselben zittern, wie der Kranke, welchen die Fieberglnth soeben verlassen hat. Rings uni sie das Paradies, da ihnen bisher der heilige Friede und die selige Lebensmacht Gottes in vollen Strömen entgcgcngeranscht waren. Nun ist es anders. Dunkelheit hat sich auf ihre Seele herabgcsenkt, und daher schrecken sie heute auch die Schatten des Abends. Fleisch und Blut, ihres Lebens und Webcns bisher so froh, erschauern, da der Abend sie berührt, und das Auge findet nirgends eine heimathlichc Stätte, obwohl sic doch ringsum der Paradiesesgartcn Gottes umgiebt. Das ist die erste' Frucht, welche die Sünde von da an den Sündern zu schmecken giebt. Den» erinnern wir uns doch, wie es auch uns ergangen ist, da wir die Wege der Gebote Gottes verlassen hatten, um ein Glück eigener Wahl an uns zu reißen. Wir hatten dem Fleische seinen Willen gcthan; wir hatten das Verlangen der eitlen Augen gestillt; wir hatten die Ehre davongetragen, nach der wir gegeizt; wir hatten Geld und Gut nach Wohlgefallen gesammelt; wir hatten die Erfüllung der Wünsche und Pläne, in deren Verwirklichung wir unser Heil gesucht, kommen sehen; wir hatten die Höhen des Wissens erklommen, zu denen Verstand und Geist sehnsüchtig hinaufgeblickt; — wir hatten dabei aber nicht aus das göttliche „Zurück!" geachtet, sondern auch das bessere Wissen von dem Willen des Vaters im Himmel unterdrückt — und so sind zuerst wohl Zeiten des Genusses und der Lust, des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.