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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 9-10 (1875) · page 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
9-10 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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157 zeugt sind, vor dem öffentlichen Bekenntniß ihres Glaubens an Christum durch die Taufe zurückschrecken. So giebt es denn daselbst auch nur Wenige, die den Muth gehabt haben, Christen zu werden, dagegen desto mehr geheime Gläubige. Sollte in die Festung, als welche sich das Judenthum daselbst bisher noch gezeigt hat, eine Bresche gelegt werden, dann könnten die Folgen hiervon auch auf dem Missivnsgebiete recht ersichtlich werden. Und augenblicklich droht allerdings eine Spaltung in der Judenschast von Damaskus einzutreten. Man beginnt nämlich seit dem Tode des alten Rabbi an der infallibelen Autorität des Hauptrabbiners zu zweifeln. Der Nachfolger desselben übt nicht den großen Einfluß wie der frühere aus, und man hat ihm sogar bereits einen andern gegenüber^ gestellt. Der Letztere ist kein Fanatiker und unter ihm wird der untolerante Geist des Rabbinismus nicht weiter die alte unbeschränkte Herrschaft behaupten können. Die Vorboten einer Umwälzung der alten Umstände fehlen eben auch hier nicht. Zur Vollständigkeit des Bildes, das die Erfahrungen darstellt, welche die Londoner Mission aus ihren Gebieten gemacht hat, gehört nun allerdings noch der Bericht aus ihren afrikanischen Stationen. Der ganze Norden Afrikas und dazu Abyssinien aus dem mittleren Theile desselben sind ja auch ein Arbeitsgebiet dieser Gesellschaft geworden. Aber der Raum gestattet es diesmal nicht, die Zeichnung in solcher Vollständigkeit zu bringen. Nur erwähnt sei, daß auch für Afrika wieder die allgemeine Erfahrung gilt: Wie der Zustand des Landes, so auch der seiner Juden. In Algier und Tunis herrscht zumeist ein erstarrter Talmudismus ohne Geist und Kraft, daneben aber dringt mit dem steigenden Einfluß Europas ein gefährlicher Unglaube ein, der mit aller Religion zu brechen droht; in Egypten ein tief materialistisches Wesen, in Abyssinien dagegen bei aller Nacht eines barbarischen Aberglaubens ein Aufleuchten einzelner Lichtstrahlen. So wird die Londoner Mission von jetzt ab aus einem Gebiete, das mindestens neun Zehntel ihrer ganzen Zahl enthält, den Inden eine Zeugin der unwandelbaren Wahrheit. In ihrem Werke seit 1809thätig, hat sie zuerst noch die völlig überwiegende Zahl der Juden allerwärts mit ihrem ganzen Leben tief in die Fesseln des Talmud verstrickt gefunden, aber mit jedem Jahrzehnt die geistige wie die äußere Physiognomie des Judenthums sich auf's Gewaltigste wandeln sehn.

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