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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 9-10 (1875) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
9-10 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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158 Die sociale Lage der Juden ist, menschlich gesprochen, seitdem vielfach eine überaus glänzende geworden und hebt sich auch dort, wo dies gerade noch nicht der Fall ist, bereits zusehends. Ein Land nach dem andern hat ihnen alle politischen Rechte eingeräumt oder gewährt ihnen solche in steigendem Maße. Zugleich aber wird die Alles beherrschende Macht unter ihnen nunmehr immer offenbarer die moderne Kultur; denn freilich nicht eine neue religiöse Triebkraft gestaltet jetzt ihr Leben, sondern das Verlangen, sich die Errungenschaften der heutigen Civilisation zu eigen zu machen; die Civilisation gewinnt über die Gemüther fortan dieselbe Gewalt, welche so viele Jahrhunderte hindurch der Talmud geübt hat, und der einzig noch starke Gegner dieses Civilisationskultus, der Chasidismus, kämpft zwar einen verzweifelten, aber auf die Dauer doch aussichtslosen Kampf. Die moderne Orthodoxie dagegen ist todesmatt, sie streitet nur noch für die augenblickliche Existenz; die Reform dagegen schreitet von Triumph zu Triumph, freilich, um in demselben Maße, als ihr Gebiet äußerlich wächst, ihre innere religiöse Leere und Ohnmacht offenbaren zu müssen. Theilweise selbst erschrocken über das Sinken des religiösen Sinnes unter ihren Anhängern versucht sie nun etliche Tropfen in dem durchlöcherten Gefäße zurückzubehalten, aber wie sollen solche Tropfen dann noch genügen, wenn einmal die Hitze von draußen die Seelen zum Schreien nach frischem, lebendigen Wasser führen wird! Die Missionare reden zu den Juden indeß unverrückt vom Tode und vom Leben, wie sie beide durch die Offenbarung kennen, welche ihnen den Tod mit allen seinen Schrecken und das Leben mit aller seiner Seligkeit kundgemacht hat — und gar Manche unter, denen, die aus der Wahrheit waren, haben auch ihr Zeugniß angenommen. Gewiß nicht Alle, welche durch sie die Taufe im Namen des dreieinigen Gottes empfangen haben, waren aufrichtige Menschen; aber unter ihrer Zahl wird allerdings gar Mancher zu finden sein, der am jüngsten Tage zur Rechten Gottes stehen wird. Im vergangenen Jahre 1874 haben durch Londoner Missionare 65 Juden das Sakrament der Taufe erhalten, unter denen sich auch nun wieder 4 aus Abyssinien befanden, während auf ihr europäisches Missionsgebiet im Ganzen 55 Taufen fielen. Seit 1816 aber sind durch die Londoner Mission 3,513 Juden getauft worden und freudig schaut sie eine solche Ernte an; sie

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