Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 9-10 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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155 Drohungen oder Versprechungen die Eltern davon abzuhalten, ihre Kinder in die Missionsschule zu schicken. Dies hatte auch einen theilweisen Erfolg. Die hebräische Presse der Stadt jedoch erhob sich gegen dieses Wiederaufputzen alter verrosteter, hierarchischer Waffen und schlug als Gegengift Aufklärung und Selbsthülfe vor. Das Verlangen nach besserem Unterricht tritt aber auch in den jüdischen Kreisen Constantinopels trotz aller Hindernisse, welche die alte Partei ihnen entgegenstellt, immer lebhafter zu Tage; ein amerikanisches Collegium, eine englische Schule und die schottische Missionsschule in Galata zählen alle eine größere oder kleinere Anzahl jüdischer Kinder. Der Wissensdrang regt sich in manchen jungen jüdischen Gemüthern sogar in besonders lebhafter Weise. So kamen täglich mehrere jüdische Knaben von der gegenüberliegenden Küste des Goldenen Hornes in Booten zur Schule herüber; die Eltern beklagten sich über gar manche ihrer Knaben, die immer viel zu früh in die Schule eilten und daß sie das Vaterunser und den Katechismus so bereitwillig lernten. Aber auch die Gottesdienste waren ziemlich gut besucht und das Neue, das die Mission anbietet, begegnet jedesfalls nicht mehr der früheren stumpfsinnigen Gleichgültigkeit. Selbst der Boden Constantinopels ist eben von den Einflüssen der Gegenwart nicht unberührt geblieben, und auch jene Festung wird offenbar auf die Dauer nicht eine sichere Burg des Alten bleiben können. Dieser allmählige Umwandelungsprozeß hat auch in Smyrna und Klein-Asien bereits begonnen. Die orthodoxe Partei dieser Stadt, die 25,000 Juden zählt, sagt Missionar Eppstein, geht bereits mehr auf Vergleiche ein und wird selbst in wesentlichen Stücken weniger streng, während die Reformer immer ungläubiger und untoleranter werden. Denn allerdings, große Schaaren, die gegen alle Religion gleichgültig sind, bleiben dennoch gegen Christum und seine Religion sehr untolerant und feindlich gesinnt, und hassen jeden Juden wüthend, dessen Gewissen durch das Alte Testament überführt wird, daß Jesus der Messias ist, und der nun die Kühnheit besitzt, sich hierzu auch öffentlich zu bekennen. Merkwürdigerweise griffen dabei mehrere Juden den Missionar an, daß cr an der Verbreitung des Unglaubens in ihrem Volke die Schuld trage. Er antwortete ihnen, daß ihr Aberglaube und ihr Hangen an abgeschmackten Gebräuchen und Ceremonien völlig hin-