Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 9-10 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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151 „Die Londoner Gesellschaft", sagte bei einer anderen Gelegenheit ein ältlicher Jude, „muß jüdischen Ursprungs sein, denn seht doch das Gute an, das sie fort und fort unserem Stamme thut. Erwägt die Tausende von Pfunden Sterling, die sie auf unser Volk verwendet, indem sie Missionare aus unseren Brüdern in alle Theile der Welt sendet. Und obgleich die Missionare oft unseren Glauben verlassen haben, so dürfen wir es doch nicht ableugnen, daß ihre Herzen noch voll Liebe gegen uns sind. Unsere eigenen reichen jüdischen Brüder suchen unsere Wohlfahrt nicht und sprechen auch nicht für unsere Sache, wie es doch die Missionare thun. Blickt in die frühere Zeit hinein, wo die Juden in mehreren Ländern des Ostens von den größten Verwirrungen und Unglücksfällen heimgesucht wurden, weil man sie von Seiten etlicher gottloser Leute verklagte, daß sie menschliches Blut brauchten; wie tapfer und beständig haben da mehrere Missionare ihre Partei genommen; und welche andere Behandlung erfahren die Juden nunmehr daselbst!" — In der That tritt die Bedeutung des Werkes, welches die Londoner Mission übernommen hat, besonders deutlich in den unkultivirteren Ländern des Ostens und zumal in den muhamedanischen Gebieten hervor. Den Uebergang zwischen dem übrigen europäischen und dem Judenthum der Länder des Islam bildet gewissermaßen das in Rumänien anzutreffende. Die jüdische Bevölkerung dieses Landes hat sich aus allen den Reichen, die seine Grenzen umgeben, gesammelt und bildet daher auch ein besonders buntes Gemisch. An vielen Orten ist dieselbe in eine fast unglaubliche Unwissenheit versunken, und eben diese hat sich als ein besonderer Schade erwiesen, seitdem, wie natürlich, der Fanatismus, die Tochter der Unwissenheit, die Ohren und Herzen seiner Anhänger gegen die lieblichen und friedenbringenden Töne des Evangeliums verstopft hat. An anderen Orten herrscht eine andere Gestalt des rabbinischen Lebens, nämlich jene Gefühlserregung, welche der Chasidismus hervorgerufen hat, und die sich als ein eben so ungünstiger Boden für den Samen des Evangeliums bewies. Doch ist endlich nun auch der praktische Unglaube unter der jüdischen Bevölkerung im Wachsen, und in vielen Fällen tritt es klar zu Tage, daß dieser durchaus dem willigen Gehorsam gegen das Evangelium, das sich mit dem A. T. in solchem Einklang befindet, vorgezogen wird.