Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1875-01-01 · 9-10 (1875) · page 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
9-10 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554821-2554826--06441-2562427
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

150 für die Sünder, und durch dessen Wunden wir geheilt sind. — Zur Bestätigung dieser Worte wurde den Zuhörern eine größere Zahl von Schriftstellen vorgelesen. „Warum aber geben Raschi und Ababarnel nicht dieselbe Auslegung und Erklärung derselben wie Sie?" wurde erneut gefragt. Und die Antwort gegeben: Warum brachten die 10 Kundschafter, welche Moses aussandte, das Land Kanaan auszukundschasten, nicht den nämlichen wahren Bericht wie Josua und Kaleb, so daß hierfür die ganze Nation 40 Jahre in der Wüste litt und sie vom Allmächtigen gestraft wurden, der sie nicht in das Land eingehen ließ, welches er ihren Vätern zugesagt hatte? Und wieder, sagen Sie mir, warum machten sich unsere Vorfahren ein goldenes Kalb und begingen so manche andere Verbrechen, bald nachdem sie die Wunder und die mächtigen Thaten des Gottes ihrer Väter Abraham, Isaak und Jakob gesehen hatten? Die Bibel, meine Freunde, ist ein offenes Buch für Jeden, der sie mit aufrichtigem Sinne liest; durch Gebet werden auch ihre Geheimnisse offenbar und die rechte Auslegung gesunden. Ihr solltet nicht auf Raschi und Ababarnel achten, sondern selbst fleißig in der Bibel forschen und prüfen, ob sich die Weissagungen des Moses und der Propheten erfüllt haben, aber zugleich beten wie David: Oeffne mir die Augen, daß ich sehen möge die Wunder in Deinem Gesetz; und wenn Ihr das thut, dann werdet Ihr auch die rechte und wahre Auslegung finden. Mehrere andere Juden, die dastanden und unserem Gespräche zuhörten, blickten den Frager an und einige sagten zu ihm: „Nun, bist Du müde, warum läßt Du deyn ab zu antworten?" „Nein, ich bin keineswegs ermüdet," entgegnete Jener, „aber ich will jetzt nicht weiter gehn, da dieser Herr mir so viele Sprüche aus unserer hebräischen Bibel angeführt hat, und ich fürchte, daß ich mich selbst vertheidigen müßte, wenn ich dieselben leugnete; doch Gott verhüte, daß ich dies thue. Er hat nach seiner Meinung und so, wie er es versteht, Recht." Leben Sie wohl, sagte er dann, indem er dem Missionar die Hand reichte, ein ander Mal werde ich mit Ihnen über den nämlichen Gegenstand sprechen, und ging dann davon. Mehrere aus der Zuhörerschaft aber erbaten sich die Adresse des Missionars und versprachen ihren Besuch am Sabbath, welcher denn auch öfters stattfand; sie sind nun die guten Freunde des Herrn Rappoport und grüßen ihn stets bei jeder Begegnung auf der Straße.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.