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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 9-10 (1875) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
9-10 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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147 nisse haben die Gemüther jedem ernsteren religiösen Fragen und Interesse zu sehr entfremdet. Die religiöse Erziehung der Kinder liegt ganz im Argen; der Religionsunterricht beschränkt sich auf 2 Stunden in der Woche und besteht dann der Regel nach in einem oberflächlichen Lehren des Hebräischen; aber selbst ein solches bescheidene Maß von Kenntnissen erscheint sehr vielen Eltern ein fast überreichliches. Bisher sind etwa drei Viertel aller in Wien lebenden Juden in kleineren Provinzialstädten geboren und erzogen worden, wo sie wenigstens die Gelegenheit hatten, eine ordentliche jüdische Erziehung zu erhalten; welches aber wird der Zustand der Wiener Juden sein, wenn die, welche jetzt praktisch ohne jede religiöse Erziehung aufwachsen, nun selbst Familienhäupter werden? Nicht allein aber nimmt der Unglaube überhand und ist in den Augen der urtheilslosen Menge der Sieger, sondern er feiert auch Triumphe der seltensten Art. Denn die Uebertritte zum Judenthum sind jetzt in Wien an der Tagesordnung, und im Verhältniß zur Zahl seiner Mitglieder gewinnt dasselbe gegenwärtig in Wien mehr Proselyten als die übrigen Religionsbekenntnisse. Alle diese Umstände und die große Zahl von zwar getauften, aber unbekehrten Juden, welche man jetzt in Oesterreich findet, üben einen sehr üblen Einfluß aus die Gemüther der Juden aus, die es für eine sehr seltsame Zumuthung ansehen, die Frage des Christenthums immer wieder erwägen zu sollen, wenn dasselbe doch in solcher Weise selbst das Votum gegen seine Ansprüche abgiebt. Mehr Interesse zeigt sich unter den Juden in den Provinzen, unter denen sowohl die Reformer, als die Chasidim an Zahl der Anhänger wachsen. Schnelleren Fortschritten der Reform steht am Meisten die Kostbarkeit des modernen Kultus entgegen, während der Chasidismus unter den Ernstergesinnten, welche der Talmud allein nicht mehr genügend befriedigt, reiche Ernten hält. Ein bewegtes Leben zeigt Krakau. Dort existiren 6 große Synagogen, 1 Tempel und etwa 100 kleinere Gottesdienstlokale, letztere sind den ganzen Tag geöffnet, einige selbst die ganze Nacht hindurch, damit dort das Talmudstudium, welches hier die Hauptbeschäftigung ist, ungestört getrieben werden könne. Die Krakauer Juden theilen sich in drei Gemeinschaften: Orthodoxe, Reformer und Chasidim, die Reformer aber und die Chasidim sind die kleineren an Zahl. Die Chasidim wieder sind in etwa neun verschiedene 10*

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