Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 9-10 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2554541-2554821-2554826--06435-2562421- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
144 aufthun werden; jetzt wißt ihr nicht, was ihr thnt". Dem Ladenkommis gefiel diese meine Aeußernng nicht und er brauchte deshalb - gegen mich sehr harte Worte. Da aber wandte sich Einer aus dem Kreise, als thäte er es im Namen Aller, an mich und sagte: „Lieber Mann, lassen Sie sich das nicht bekümmern, was Etliche aus unserer Nation Ihnen zugefügt haben; sie glauben ein gutes Werk gethan zu haben, sie sind aber wie die römischen Katholiken und wissen nicht, was sie thun. Seien Sie dessen versichert, daß es Andere giebt, die Ihre Bücher nicht so zerstören." Ein Anderer fügte hinzu: „Ich lese das N. T., welches ich von Ihnen vor zwei Jahren gekauft habe, und wenn Sie mich besuchen, will ich es Ihnen zeigen". Am folgenden Tage begegnete ich ihm auf meinem Wege zu seinem Hause; er wandte um und ging mit mir. Kaum hatten wir 30 Schritt gethan, so sprachen Einige beim Vorübergehen neben uns einige hebräische Worte und eilten dann davon; mein Freund aber antwortete denselben sogleich: „Was, soll ich mit diesem Manne nicht gehen? ich achte ihn höher als Viele von unsrer eigenen Nation". Beim Eintritt in seine Wohnung zeigte er mir voll Freude sein N. T. und erzählte mir, welchen Gebrauch er von demselben niachte. „Ich lese es bei Nachtzeit, wenn ich im Bette liege,-und oft, bis ich einschlafe." Dann zeigte er mir „den wahren Israeliten" und die übrigen Traktate, welche ich ihm gegeben, hinzufügend: „Einige Exemplare haben meine Freunde mit sich nach Rußland genommen und eins hat meine Schwester empfangen". Ich frug ihn, was er vom N. T. dächte? Er antwortete: „Ich finde, es steht in vollkommener Uebereinstimmung mit dem A. T., aber es ist für uns Juden so schwer, uns aus allen unfern Verbindungen zu reißen, denn wir sind einmal zu eng an einander geknüpft". Ich erinnerte ihn, daß Abraham durch den Glauben aus seiner Freundschaft und aus seines Vaters Hause ging. Da gab er mir einen langen Bericht über seine Lebensstellung, über die Mittel seines Unterhalts für ihn selbst und seine Familie rc. und schloß mit den Worten: „Würde ich etwas Aehnliches unter den Christen erlangen?" Ich erwiderte ihm: „Abraham frug nicht, wie es mit ihm in der Fremde gehen werde — er glaubte und ging — und Sie müssen um denselben Glauben beten". Nach diesen Worten trennten wir uns. Einige kamen privatim zu mir am Abende, nachdem die Geschäfte des Tages vorüber waren, und wir hatten lange Gespräche